Lernwelten der Zukunft im Zusammenspiel von Bildung, Forschung und Innovation
Bildung gilt als Schlüssel für den Weg in eine wünschenswerte Zukunft. Dabei befindet sie sich im Spannungsfeld zwischen historisch gewachsenen Strukturen und aktuellen Anforderungen, die mit gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen einhergehen. Zudem sind die gegenwärtige und die zukünftige Transformation durch eine hohe Komplexität und ein breites Spektrum beteiligter Akteur:innen gekennzeichnet. Der Brückenschlag zwischen Alt und Neu wird umso schwieriger, je weniger eine kontinuierliche Entwicklung plausibel erscheint und je mehr Vorstellungen von Zukunft im Plural vorliegen. Angesichts unterschiedlicher individueller, kollektiver und systemischer Voraussetzungen und Interessen erweist sich Bildung als vielschichtiger und instrumentalisierbarer Begriff, der kulturell bedingt und politisch umkämpft ist. Aushandlungsprozesse um zukünftige Lernwelten sind somit unumgänglich wie auch konstitutiv für demokratisch verfasste Gesellschaften und deren Praktiken des sozialen und transformativen Lernens. [→ 1]
Im vorliegenden Beitrag über Lernwelten der Zukunft wird Bildung als ein zentraler Bereich und Anknüpfungspunkt von Innovation und Transformation adressiert. Der Beitrag bietet eine sozialwissenschaftlich inspirierte Kontextualisierung von Bildungsinnovationen mit Bezügen zu Raum und Räumlichkeit, ausgehend von einer kursorischen Skizze der Anlässe für eine Neuausrichtung von Bildung und eine daran anschließende Einordnung der in diesem Buch vorgestellten Ansätze und Entwicklungen in neueren bildungswissenschaftlichen Raumdebatten. Die Figur der Bildungslandschaft wird dabei in ihrer Vielfalt und Ambivalenz als eine prominente Metapher im Ringen um einen Paradigmenwechsel von Lernorten und Bildungsräumen vorgestellt. Im Hinblick auf die praktische Umsetzung mündet der Beitrag in einer Auseinandersetzung darüber, wie und inwieweit die Mitgestaltung von Bildungsinnovationen und Formen der Qualitätssicherung möglich und realisierbar sind und welche Voraussetzungen und Ressourcen dafür benötigt werden.
Bildung, Forschung und Innovation
Innovation ist sowohl in der alltagssprachlichen Verwendung als Kennzeichnung des erwünschten Neuen als auch in verschiedenen wissenschaftlichen Theorien und Konzepten ein vielfältiger Begriff. Mit der Ausweitung des wirtschafts- und technikbezogenen Innovationsbegriffs auf die intendierte Veränderung sozialer Praktiken hat sich das Innovationsverständnis weiterentwickelt. Es umfasst im Hinblick auf Bildung und soziale Innovationen nicht bloß absolute Neuheiten, sondern auch erwünschte Variationen, die in bestimmten Kontexten oder Zeiten als „neu“ erscheinen. [→ 2] In der sozialwissenschaftlichen Innovationsforschung gilt Innovation vor allem als die absichtsvolle und systematische Herstellung neuer materieller und nicht materieller Elemente, technischer und organisatorischer Verfahren und sozio-technischer Kombinationen davon, um diese als neu zu definieren und als besser gegenüber dem Alten zu legitimieren.
Allgemeine und spezifische Anlässe für eine Neuausrichtung der Bildung
Eine Voraussetzung für alle innovationsorientierten Gestaltungsansätze ist ein grundlegendes Verständnis für die Anlässe einer Neuausrichtung der Bildung, die in Bildungsdebatten der letzten Jahrzehnte entlang von Thesen- und Positionspapieren, Leitfäden, Handbüchern und Trendanalysen laufend weiterentwickelt wurden. Es handelt sich um allgemeine und spezifische Anlässe, die gesellschaftliche und im Besonderen bildungs- und baukulturpolitische Veränderungen widerspiegeln. Sie sind miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig, was zu einem dynamischen, sich ständig verändernden Umfeld führt und mit neuen Chancen und Risiken einhergeht.
Zu den allgemeinen Entwicklungen zählen etwa die zunehmende Urbanisierung und der technologische Wandel sowie gesellschaftspolitische Gründe zur Transformation mit internationalem Geltungsanspruch wie insbesondere das Menschenrecht auf Bildung und das Recht auf Inklusion. Systemische Entwicklungen, die unabhängig vom Standort Veränderung notwendig machen, sind darüber hinaus der pädagogische Wandel hin zu schüler:innenzentriertem, individualisiertem und transformativem Lernen und dem Verlangen nach offenen, flexiblen Raumstrukturen und vielfältigen räumlichen Erfahrungen. Gleichfalls zählen dazu der Ausbau ganztägiger Angebote und die Umsetzung inklusiver Bildung, welche wiederum Räume für Differenzierung, Rückzug und barrierefreie Zugänglichkeit erfordern.
Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung gilt als übergeordnetes Prinzip. Der Klimawandel, Biodiversitätsverlust und die Übernutzung natürlicher Ressourcen stellen zentrale Herausforderungen dar. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um den Kurs hin zu einer ökologisch tragfähigen Zukunft einzuschlagen. Die Bildungsinfrastruktur hat vor allem durch Bau- und Sanierungsmaßnahmen sowie Energieverbrauch eine erhebliche ökologische Wirkung. [→ 3] Ein großer Teil der Bildungsgebäude in Österreich ist noch nicht nachhaltig oder energieeffizient, was eine umfassende Sanierung erforderlich macht, die ressourcenintensiv und meist aufwendig ist. Erforderlich ist zudem die Verhaltensänderung von Schüler:innen, Lehrkräften und Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, die in ihrem alltäglichen Handeln einen wesentlichen Beitrag zur Transformation leisten können und darin bestärkt werden müssen. Die selbstbewusste und selbstkritische Übernahme einer aktiven Rolle in anwendungsorientierten sowie problem- beziehungsweise lösungsbasierten Lernprozessen in authentischen Situationen wird als besonders wertvoll erachtet. [→ 4] Dieser Wandel ist oft ein langwieriger Prozess, der mit kulturellen und gewohnheitsbedingten Barrieren zu kämpfen hat.
Dass unsere Gesellschaft durch technologischen Wandel langfristig und tiefgreifend umgestaltet wird, kann an der aktuellen Dynamik der Digitalisierung im Bildungsbereich beobachtet werden. Diese verändert, wie wir kommunizieren, arbeiten, leben und nicht zuletzt die Art und Weise, wie wir Lernen und Bildung vermitteln. Automatisierung und Robotik, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen übernehmen Aufgaben, die zuvor von Menschen erledigt wurden, und revolutionieren immer mehr Bereiche der Gesellschaft. Neue Lernformen durch digitale Medien stellen Infrastruktur und Raumgestaltung vor neue Herausforderungen. Zukünftige Lernwelten brauchen mehr als nur WLAN und Tablets – sie brauchen einen vertieften Diskurs darüber, wie Digitalisierung Bildung verändert und wie diese Veränderung mit humanistischen Werten vereinbar ist. Es reicht nicht, allein auf Technik zu setzen. Genauso wichtig sind didaktisch durchdachte Konzepte und ein wacher Blick auf die sozialen Kontexte, in denen digitales Lernen stattfindet. Einheitliche Lösungen greifen zu kurz: Unterschiedliche Menschen lernen unterschiedlich – mal analog, mal digital, mal irgendwo dazwischen. Der technologische Fortschritt eröffnet hier neue Spielräume, um individuelles und gemeinschaftliches Lernen besser auszubalancieren. Das stellt neue Anforderungen an Lernräume, ihre Nutzung und Gestaltung. Pädagogik, Architektur und Raumplanung müssen deshalb Hand in Hand gehen. Besonders hybride Lernformen, die digitale und physische Räume sinnvoll verknüpfen, sind eine zentrale Zukunftsaufgabe – mitsamt der Verantwortung, mögliche Schattenseiten im Blick zu behalten.
Die genannten Anlässe stehen im Zusammenhang mit übergeordneten Entwicklungen und Trends, während spezifische Anlässe stärker von regionalen und lokalen Kontexten abhängen. Dazu zählen demografische Entwicklungen (Schüler:innenzahlen sind lokal beziehungsweise regional sehr unterschiedlich – daraus ergeben sich individuelle bauliche Konsequenzen), quartiersbezogene Entwicklungen (die Rolle der Bildungseinrichtungen variiert je nach sozialem Umfeld), pädagogische Profile (Schulformen wie Montessori oder Gemeinschaftsschulen benötigen spezifische räumliche Lösungen) sowie finanzielle und politische Rahmenbedingungen (wie kommunalspezifischer Einfluss auf Planungs- und Umsetzungsmöglichkeiten). Diese standortbezogenen Faktoren bedürfen unter Berücksichtigung der allgemeinen Anlässe in möglichst allen Entwicklungsphasen auch partizipativer Aushandlungsprozesse zwischen relevanten Akteur:innen wie Träger:innen und Betreiber:innen von Bildungseinrichtungen, Pädagog:innen, Architekt:innen und weiteren Stakeholdern bis hin zur Einbindung der Lernenden. [→ 5]
Neue bildungswissenschaftliche Raumdebatten im 21. Jahrhundert
In den Betrachtungszeitraum der vorliegenden Buchpublikation fällt eine bildungswissenschaftliche Beschäftigung mit Raum und Räumlichkeit, die in Variationen aus neuartigen und bereits bekannten Ansätzen versucht, Raum als lern- und erziehungsförderliche Umgebung, als Lerngegenstand und als Handlungs-, Interaktions- und Sozialraum zu fassen und zu bestärken. Daraus gingen in den letzten Jahrzehnten wichtige neuartige Impulse und Innovationen hervor. Diese reichen von raumdidaktischen Ansätzen zur Gestaltung konkreter Lern- und Bildungsorte wie Schulen, Kindergärten, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen bis zu räumlich-systemischen, steuerungspolitischen Ansätzen, die sich von der systematischen Bedarfs- und integrierten Entwicklungsplanung bis hin zu Formen und Formaten der Governance von Bildung und Raum erstrecken.
Die neuartigen Ansätze sind eng verknüpft mit Debatten über das schlechte Abschneiden bei Leistungsvergleichsstudien und der Einsicht, dass nicht ausschließlich Defizite in der schulischen Bildung die Ursache sind, sondern auch unterschiedliche Formen und Orte der Bildung mehr Aufmerksamkeit erhalten sollten. [→ 6] Dem Verständnis von leistungsorientiertem Lernen und Wissen wurde in weiterer Folge ein umfassenderes Bildungsverständnis als Leitmotiv für die Gestaltung von Bildungsprozessen entgegengestellt, das über den Ausbau der Ganztagsschule hinausgehend formelle und non-formelle Lernprozesse sowie die möglichst gleichrangige Bedeutung formaler und nonformaler Settings beinhalten sollte. Als vorwiegend formale Bildungssettings gelten organisationale und örtlich verankerte Angebote mit Bildungsauftrag, als nonformale Settings lebensweltliche und nicht zwingend geografisch verortete Gelegenheiten, in denen Bildungsprozesse stattfinden. In der Praxis treten diese Settings und Prozesse in unterschiedlichen Ausprägungen und Mischungsverhältnissen in Erscheinung. [→ 7]
Zu einem leitenden Topos ist in neueren bildungswissenschaftlichen Raumdebatten auch die Kritik an dem oft problematischen Umgang mit der Materialität des Raums und dessen Doppelcharakter als Produkt wie auch als Bedingung des Handelns geworden. Hier wird vor einer bloß separaten Beschreibung der beiden Seiten gewarnt, die den Blick auf raumwirksame dialektische Verschränkungen verstellen, zu Engführungen in Raumdebatten führen und wiederum zur Ursache praktischer Probleme und Gefahren werden kann. [→ 8] Dass die Entwicklung von Lernorten und Bildungsräumen jenseits einer Engführung auf pädagogische Aspekte oder materielle Artefakte als sozio-technisches Phänomen verstanden wird, mündet in der Einsicht, dass Prozesse des materiellen und sozialen Wandels in ihrer Wechselwirkung sichtbar gemacht und reflektiert werden müssen und dafür Praktiken des Kontextualisierens, Vermittelns und Aushandelns benötigt werden.
Einen Brückenschlag zwischen sozialer Innovation und Nachhaltigkeit bewerkstelligt das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung, das sich im Laufe der Zeit aus Vorläuferkonzepten wie Ökopädagogik, Umwelterziehung, Umweltbildung sowie entwicklungspolitischen Bildungsansätzen zusammengefügt hat. Es erhebt Anspruch auf Gültigkeit über alle Bildungsstufen hinweg und zielt auch auf eine Veränderung der strukturellen Aspekte von Bildungsorganisation. [→ 9] Bildung und Wissenschaft wird aus dieser Perspektive angelastet, in ihren gegenwärtigen Zielsetzungen und Strukturen nicht im nötigen Umfang zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen, sondern vielmehr aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse fortzuschreiben. In Einklang mit neueren bildungswissenschaftlichen Raumdebatten werden die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung und ein grundlegender Paradigmenwechsel in Richtung holistischer, integrierter und transformativer Herangehensweisen eingefordert. [→ 10]
Raumdidaktische Ansätze zur Gestaltung konkreter Lern- und Bildungsorte
Raumdidaktische Ansätze beinhalten in unterschiedlicher Akzentuierung sowohl architektonische als auch pädagogische Facetten. Sie greifen teils länger zurückliegende theoretische, diskursive, modellartige und praktische Traditionslinien auf, wie etwa die Figur des Raums als dritter Pädagoge oder Variationen der organischen Schulbauarchitektur. Zudem enthalten sie Diskussionen über geeignete Grundrisse etwa mit Rekurs auf die Figur der Landschaft im Sinne einer offenen Lernlandschaft oder die Figur des Clusters im Sinne eines „Lernclusters“. [→ 11] Dabei teilen diese Entwicklungen das gemeinsame Anliegen, über die Gestaltung des Lernortes soziale und pädagogische Prozesse beeinflussen zu wollen. Als didaktische Instrumente verstanden, bieten sie eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Möglichkeiten der Gestaltung und Umsetzung von Bildungsinnovationen auszuloten, deren Ergebnisse sichtbar und erfahrbar zu machen sowie deren Wirkungen und Rahmenbedingungen besser verstehen und davon lernen zu können. Denn neben der Gestaltung der unmittelbaren physisch-materiellen Welt geht es bei der Gestaltung des Raums als pädagogische Umwelt stets auch um soziale und institutionelle Rahmenbedingungen. [→ 12]
Wie lässt sich nun der Brückenschlag von diesen Gestaltungsansätzen, experimentellen Entwicklungen und Innovationen von Bildungsarchitekturen hin zu weiteren Bildungsinnovationen und gesellschaftlicher Transformation bewerkstelligen? In der neueren bildungswissenschaftlichen Beschäftigung mit Raum und Räumlichkeit hat sich dafür im deutschsprachigen Raum insbesondere die Bildungslandschaft als Leitbegriff etabliert. Daran anknüpfende bildungs- und baukulturpolitische Konzepte und Programme sind hierzulande gerade erst im Entstehen.
Ansätze des räumlichen und steuerungspolitischen Arrangements von Orten in Bildungslandschaften
Geht es bei raumdidaktischen Ansätzen um die Gestaltung konkreter Lern- und Bildungsorte, so rückt bei Ansätzen des räumlichen und steuerungspolitischen Arrangements von Orten die territoriale und systemische Perspektive in den Vordergrund. Denn während in der Diskussion um die Lern- und Erziehungsorte primär die Gebäude, deren Einrichtung und Ausstattung sowie deren zugehörige Grün- und Freiräume aufgegriffen werden, geht es in der Diskussion um Bildungslandschaften um räumlich ausgreifendere Zusammenhänge und um die gegenseitige Verflechtung und Abhängigkeit von verschiedenen Akteur:innen und Ebenen im Bildungssystem und darüber hinaus um integrierte räumliche Entwicklungskonzepte, umfassende steuerungspolitische Ansätze und Ansätze der Governance von Bildung und Raum.
Die Bildungslandschaft bietet als ein Sammelbegriff Anknüpfungspunkte sowohl auf einer bildungspolitischen und bildungstheoretischen als auch auf einer Ebene organisatorischer Strukturen und konzeptioneller Aspekte. [→ 13] Als politisch-programmatisches Konzept steht die Bildungslandschaft für den Aufbau eines integrierten Systems von Bildung, Betreuung und Erziehung und eine tendenzielle Verlagerung von Kompetenzen, Zuständigkeiten und Steuerungsleistungen nach unten auf die kommunale, lokale und regionale Ebene. Zugleich gilt diese als umstritten, weil sie unter anderem als Begriff noch kaum eindeutig definiert und mit einheitlichen Zielen und Inhalten hinterlegt worden ist. Integrierten Ansätzen wie jenen der Bildungslandschaft wird außerdem eine Diskrepanz zwischen umfassendem Anspruch „von oben“, konkreter Umsetzung und tatsächlicher Wirksamkeit attestiert. In diesem Sinn ist die Bildungslandschaft auch kennzeichnend für das heutige Ringen um eine neue paradigmatische Wende von Bildungsarchitekturen vor dem Hintergrund einander konkurrierender Gestaltungsintentionen und damit verknüpften Macht- und Herrschaftsverhältnissen.
Lernorte und Bildungslandschaften der Zukunft
Was bedeutet das für die Gestaltung zukünftiger Lernwelten? Sie müssen universellen wie auch spezifischen lokalen Anforderungen für eine Neuausrichtung der Bildung gerecht werden. Prozesshafte Eigenschaften und die Einbettung in zyklische Zusammenhänge gewinnen an Bedeutung. Damit ist eine systematische und regelmäßige Betrachtung dessen gemeint, was von Bildung erwartet wird, wie sich Bildung entwickelt, wie sie wirkt, welche Gestaltungsmöglichkeiten vorliegen, welche Lösungen zweckmäßig erscheinen und wie sich die Umsetzung und Steuerung bestmöglich bewerkstelligen lässt. Was wird konkret für die Mitgestaltung von Bildungsinnovationen benötigt? Den Wandel von Lernwelten mitzugestalten ist anspruchsvoll, da er multi- und transdisziplinäre Formen der Zusammenarbeit erfordert und im Sinne einer umfassenden Beteiligung auch jenseits von Disziplinen multiperspektivisch sowie methodenplural sein sollte. Dazu bedarf es öffentlicher, zivilgesellschaftlicher und privatwirtschaftlicher Strukturen, Instrumente und Netzwerke, die ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteur:innen ermöglichen. Diese Akteur:innen benötigen im Kontext von Innovation und Transformation wiederum spezifische Fähigkeiten und Kompetenzen, um vielschichtige Aushandlungs- und Lernprozesse bei divergierenden Interessen, zivilgesellschaftliches Engagement bei bürokratischen Blockaden, kollektiven Widerstand gegen neoliberale Tendenzen und vieles mehr meistern zu können. Angesichts der Komplexität und Eigendynamik von gesellschaftlichen Innovationsprozessen spielt eine kritische Reflexion über die Instrumentalisierung von Bildung als wichtiger Bestandteil transformativen Lernens eine immer größere Rolle. In diesem Zusammenhang hat Bildung stets eine Orientierungsfunktion und einen Handlungsauftrag. Eine verantwortungsvolle Bildungspolitik trägt schließlich Sorge für eine kontinuierliche systematische Evaluierung der Wirksamkeit des Bildungssystems, für eine damit einhergehende reflexive Rückkoppelung zu den gesteckten Erwartungen und Ausgangsparametern sowie für die gegebenenfalls erforderliche Anpassung der Bewertungsgrundlagen und Ziele.