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Räume der Bildung regulieren

Österreich ist ein föderaler Staat, dessen Bildungssystem von Bund, Ländern und Gemeinden gemeinsam getragen wird. Welche Strategien und Programme verfolgen sie? Mit welchen Instrumenten? Zu diesen Themen sprechen Peter Dietl (Bildungsministerium), Wolfgang Gleissner (ehemaliger Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft), Herwig Kroat (Stadt Wien), Monika Steurer (Bildungsdirektion Vorarlberg), Much Untertrifaller (Architektur) und Gerhard Wastian (Abteilung Hochbau des Landes Tirol).

Moderation: Christian Kühn

Christian Kühn Beginnen wir auf der Ebene der Bundes­schulen: Wie legt der Bund die strategische Planung seines Schul­raum­bestands an, Herr Dietl? 

Peter Dietl Seit 1971 gibt es das Schul­entwicklungs­programm des Bundes (SCHEP), das mit einem Horizont von zehn Jahren Ziele vorgibt. In den 1970er-Jahren war das beispiels­weise die Forderung, dass es überall in Österreich möglich sein sollte, in 45 Minuten öffentlich oder 30 Minuten mit dem Pkw eine Schule zu erreichen, die zur Matura führt. Das hat einen Boom im Schulbau bis in die 1980er-Jahre ausgelöst, was zur Folge hat, dass heute die Sanierung eine größere Rolle spielt. Das aktuelle SCHEP 2020 hat für einen Zehn­jahres­horizont ein Volumen von 2,4 Milliarden Euro, die sich auf 250 Projekte verteilen. Das ist eine beträchtliche Steigerung zur Periode davor mit 1,7 Milliarden Euro. 

CK Herr Gleissner, Sie waren von 2006 bis 2024 Vorstand der Bundes­immobilien­gesellschaft (BIG), die in Österreich den Schulbau auf Bundes­ebene hauptsächlich umsetzt. Wo sehen Sie in diesem Zeitraum die größten Veränderungen? 

Wolfgang Gleissner Strategisch orientiert sich die BIG am eben erwähnten Schul­entwicklungs­programm des Bildungs­ministeriums. Ein wesentlicher Wandel war die Berück­sichtigung neuer pädagogischer Konzepte wie oder , die gemeinsames Arbeiten und Konzentration verbinden. Ebenso wichtig ist Nachhaltigkeit: raus aus Öl und Gas und hin zu Energie­autarkie. Auch die Aufenthalts­qualität hat einen hohen Stellenwert: natürliches Licht, gute Luft, Akustik und Raumklima. Es geht um Wohlfühl­komponenten und Vorbild­wirkung für junge Menschen. 

CK Das beschreibt sehr gut die Schwerpunkte auf der Ebene des Einzelobjekts. Ist es auch gelungen, Schulen mehrerer Schulerhalter an einem Standort zu kombinieren, um vielleicht langfristig die Infra­struktur für eine gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen zu schaffen? 

WG Das war nicht unser Auftrag. In der Wiener Seestadt, wo heute ein Kinder­garten und eine Volksschule der Stadt sowie eine AHS-Langform des Bundes unmittelbar neben­einander­liegen, gab es zu Projektstart Bemühungen um eine gemeinsame Standort­entwicklung in Form eines moderierten Prozesses. Damals waren eine Volksschule und eine Mittelschule der Stadt und nur eine Oberstufe des Bundes geplant. Dabei konnten durchaus erste Schritte der Zusammen­arbeit entwickelt werden. Nach der Entscheidung der Auftraggeber, das Projekt mit den heutigen Schultypen umzusetzen, musste es aus Zeitdruck aufgegeben werden. 

PD Es ist ja nicht unbedingt etwas gewonnen, nur weil zwei Schulerhalter an einem Standort kooperieren. Wenn es sich um große Einheiten handelt, kann das im Gegenteil zu Reibungs­verlusten führen. Ich sehe den Wert der Kooperation eher bei kleinen Einheiten, die ihre Ressourcen bündeln und gemeinsam betreiben, um die Schulflächen optimiert auszulasten. 

CK Der Maschendrahtzaun in Aspern zwischen den Grünflächen des Bundes­gymnasiums und der benachbarten städtischen Volksschule ist trotzdem legendär. 

WG Glücklicherweise ist es nur ein Zaun geworden und keine Mauer. Wir brauchen das Gegenteil: Schulen sollten besser in die Gesellschaft eingebunden werden, etwa durch die gemeinsame Nutzung von Sportflächen, Bibliotheken und Veranstaltungs­räumen. 

PD Das führt im Idealfall zu vielfältigeren Bildungs­landschaften. Ein gutes Beispiel gibt es in Deutschlandsberg, wo mehrere Schultypen wie AHS, HAK, HLW und HTL in einem Gebäude vereint sind. Hier sollen nach einem von der BIG begleiteten erfolgreichen gemeinsam nutzbare Räume geschaffen werden. Aber das ist natürlich derselbe Schulerhalter. 

CK Frau Steurer, wie steht Vorarlberg zur gemeinsamen Schule der 6- bis 14-Jährigen? 

Monika Steurer In der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen scheitern wir derzeit an der Zustimmung von Lehrpersonen und Eltern. Dennoch setzen wir auf , die Kindergarten, Volksschule und Mittelschule vereinen. Alle neuen Schulen benötigen ein hinterlegtes pädagogisches Konzept, das Flexibilität und Nachhaltigkeit fördert. Ein Beispiel ist Hittisau: ein neuer Schulcampus, komplett aus Bregenzerwälder Holz gebaut. Dabei entstanden Kosten von rund 40 Millionen Euro für Volksschule und Mittelschule. 99 Prozent der Kinder wechseln an die Mittelschule, nur ein Prozent besucht ein Gymnasium. Die Bevölkerung unterstützt das Konzept trotz der hohen Kosten. Das ist für fünf Gemeinden natürlich eine große Belastung, aber die Bevölkerung war eingebunden und steht dahinter.

Much Untertrifaller Da gibt es schon eine Konkurrenz unter den Gemeinden, mit möglichst attraktiven Schulen Bewohner:innen anzuziehen, und innerhalb der Gemeinden viele Meldungs­wechsel, um in den „richtigen“ Schulsprengel zu kommen. 

CK Die Vorarlberger Landesregierung hat ja 2023 das Ziel formuliert, bis 2035 der „chancenreichste Lebensraum für Kinder“ zu werden. Anscheinend hat Bildung in Vorarlberg einen ganz besonderen Status. 

Gerhard Wastian Bei uns in Tirol reicht die jüngste Phase der Innovation im Schulbau zurück ins Jahr 1997, als das Bundes­vergabe­gesetz eingeführt wurde und Architektur­wettbewerbe förderte. Eine jüngere Entwicklung sind partizipative Verfahren unter Einbindung der Bevölkerung, der Lehrer:innen, der Schüler:innen und der Eltern. Die Ergebnisse, der Schul­campus in Neustift und der Schul­campus in Lienz, können sich sehen lassen. Darauf aufbauend haben wir in Tirol einen Schulbau-Leitfadenentwickelt, der die Gemeinden unterstützen soll, wenn Schulprojekte anstehen. 

CK Was hat sich in Wien in den letzten 20 Jahren geändert? 

Herwig Kroat In Wien haben wir 2009 mit dem Wiener Campus­modell begonnen, Kinder­gärten, Volks­schulen und Mittel­schulen unter einem Dach zusammen­zuführen. Auch Musik­schulen und Jugend­zentren werden seit 2012 im Bildungs­campus integriert. Die Basis für das Wiener Campus­modell ist die ganztägige inklusive Bildung für Null- bis 16-Jährige mit modernen, cluster­basierten räumlich-pädagogischen Konzepten. Dazu kommt die der Bildungs­campus­standorte durch die unterschiedlichen Bildungs­einrichtungen sowie durch die Bevölkerung. 

CK Werden clusterbasierte Konzepte auch bei der Sanierung angewendet? 

HK Auch in der Sanierung und bei Erweiterungen von Bildungs­gebäuden sind seit Jahren moderne pädagogische Konzepte Grundlage für die Planung. Natürlich gibt es im Bestand immer gewisse Grenzen durch die Gebäude­struktur, aber wir zielen darauf ab, die modernen räumlich-pädagogischen Konzepte nach Möglichkeit in allen Wiener Schulen zu implementieren. 

WG Die BIG achtet bei Bestandsgebäuden stets darauf, die Raumstruktur an heutige Anforderungen anzupassen, damit der Unterschied zwischen Neubau und Bestands­gebäude minimiert wird. 

CK Wie haben sich die Schulbaurichtlinien in den letzten 10 bis 15 Jahren verändert? 

PD Der Bund gibt selbst keine Richtlinien zum Schulbau heraus, sondern kooperiert mit dem Österrei­chischen Institut für Schul- und Sport­stättenbau (ÖISS), das 1964 gegründet wurde und vom Bund und den Ländern gemeinsam finanziert wird. Das ÖISS ist für uns die zentrale Drehscheibe der Wissens­vermittlung zum Thema Bildungsbau, die auch Empfehlungen ausarbeitet, teilweise eher technischer Natur, aber auch für Lernsettings oder Freiräume. Diese Empfehlungen können bei als Vorgabe in die Ausschreibung integriert werden. 

GW Im oben erwähnten Tiroler Schulbau-Leitfaden wird Partizipation in der Planung betont. Der Leitfaden fördert flexible Räume und berücksichtigt auch, dass Gangflächen sich in Marktplätze verwandelt haben, die ebenfalls zum Unterrichten genutzt werden und daher förderwürdig sind. Bei Bestands­gebäuden wird die Förderung deutlich erhöht, wenn weiter­entwickelt und nicht abgerissen wird. 

CK Wie können Regularien für Bestands­gebäude entschärft werden, ohne die Barriere­freiheit zu gefährden? 

WG Die Interpretation von Normen muss überdacht werden. Plötzlich sollen Gebäude, die jahrzehnte­lang gut funktioniert haben, angeblich nicht mehr nutzbar sein. Darüber hinaus braucht es Unterstützung für Lehrpersonen, um neue Konzepte wie offenes Lernen erfolgreich umzusetzen. 

CK Muss das nicht auch bei jedem Wechsel der Direktion berücksichtigt werden? 

HK Ja, wichtig ist es, für die Bildungsgebäude mit modernen räumlich-pädagogischen Konzepten die richtigen Leiter:innen zu finden, die diese Konzepte annehmen und mit Leben füllen. Zur administrativen Unterstützung setzen wir Campus­administrator:innen ein.

MS In Vorarlberg haben wir eine sehr schlanke Schulbauverordnung. Der Neubau­prozess bedarf immer eines pädagogischen Konzepts. Wir achten darauf, die richtigen Schul­leiter:innen zu finden, um innovative Konzepte erfolgreich umzusetzen. 

CK Welche internationalen Einflüsse haben Sie in die Schul­architektur aufgenommen? 

MS Wir sind gut vernetzt mit Deutschland, der Schweiz und Italien. Dabei achten wir sowohl auf die Pädagogik als auch auf die Architektur. Vorarlberg wird um seinen Schulbau beneidet, da wir viel in die Architektur investieren. 

GW Wir haben uns bei einem EU-Wettbewerb mit Peter Märkli zusammengetan, der früh den Cluster­schul­gedanken – auch bei Musterschulen wie dem Bundes­schul­zentrum von Viktor Hufnagl in Wörgl – integriert hat. Auch Ursula Spannberger und das Architekturbüro fasch&fuchs haben mit innovativen Konzepten zur Schulbau­entwicklung beigetragen. 

PD Ein wichtiger Impuls war die Charta der Plattform schulUMbau aus dem Jahr 2010, in deren Entwicklung ich eingebunden war. Die Charta entstand „von unten“, getragen von Akteur:innen aus unterschiedlichen Richtungen, Pädagogik, Architektur und Verwaltung. Sie hat Prinzipien formuliert, die so spezifisch waren, dass man sie in der konkreten Planung einsetzen konnte, aber zugleich so generell, dass eine große Bandbreite an Lösungen möglich blieb. Sie wurde auch erfolgreich als richtungs­weisende Vorgabe in Architektur­wettbewerben eingesetzt. 

MU Mein Büro plant viele Schulen in Frankreich. Wir fühlen uns dort bei den in die 1980er-Jahre zurück­versetzt, als Gang­schulen ohne gemein­schaftlich nutzbare Flächen noch die Norm waren. Da muss man neue Ideen fast subversiv einschleusen. Der Widerstand kommt dort vor allem von Direktor:innen und Lehrpersonal, die zum Beispiel jede Art von Transparenz ablehnen. Deutschland ist in dieser Hinsicht auf unserem Niveau. 

CK Herr Kroat, die Entwicklung der Wiener Schulen begann mit Grete Laska und der Idee eines Standardtyps, der für jede Situation passen sollte. 

HK Das hat sich seither rasant weiterentwickelt. Heute sind wir in einem dynamischen Prozess, der mit dem Bildungs­campus Sonnwendviertel begonnen hat, bei dem erstmals ein Qualitäten­katalog als Grundlage für den Architektur­wettbewerb erarbeitet wurde. Bildungsbau ist für uns ein kontinuierlicher Optimierungszyklus. 

WG Vielfalt und Offenheit für Neues sind entscheidend. Wir sollten uns nicht auf ein einziges Modell verlassen. Es ist wichtig, die Schulbau­ideen regelmäßig zu überprüfen und weiter­zuentwickeln. 

MU Das versuchen wir als Planer:innen bei jedem Wettbewerb. Referenz­projekte helfen natürlich, wenn man Bauherrschaften überzeugen möchte. Letztlich kommt es immer auf die Offenheit der handelnden Personen an. 

MS Wir reflektieren regelmäßig, wie die jüngsten Bauten funktionieren. In der Ganztags­schule beobachten wir kontinuierlich die Raum­qualität und passen sie, wenn nötig, an. Auch in traditionellen Schulen kann man viel erreichen, wenn man kreativ denkt. 

GW Bei der Qualitätssicherung setzen wir auf experimentelle Ansätze wie das neue Lüftungs­system im Lowtech-Bereich bei einer Schule in Hall. Wir evaluieren gerade, wie es sich in der Praxis bewährt. 

CK Wien gab es kürzlich eine Evaluierung der Campusstandorte. 

HK Qualitätssicherung beginnt schon beim intensiven Vorbereitungs- und Planungs­prozess, den alle unsere Bildungs­bau­projekte durchlaufen. Wir lernen aus jedem Projekt und die Erkenntnisse werden laufend in unseren Standards berücksichtigt. 

WG Die BIG leistet sich seit rund 15 Jahren einen Architektur­beirat, also ein Gremium von Architekt:innen, die in wechselnder Besetzung die Ausschreibung von Wettbewerben begleiten, als Juror:innen tätig sind und auch während des Planungs­prozesses bereitstehen. Generell gilt: Was für die eine Schule und die eine Organisation sehr gut passt, muss nicht unbedingt für die andere ideal sein. Da braucht es eine gewisse Vielfalt und Flexibilität der Ansätze. Das ist so ähnlich wie bei einem Anzug, ob man den als Maßanzug ganz eng und genau arbeiten lässt oder ihn von der Stange kauft. Beim Maßanzug muss man wieder zum Schneider gehen, wenn man ein paar Kilo zugenommen hat, der Anzug von der Stange sollte noch immer passen.

CK Was sind die größten Heraus­forderungen für den Bildungsbau der nächsten Jahre? Energie und Nachhaltigkeit wird bei allen eine Rolle spielen. Was gibt es sonst noch? 

WG Eine große Herausforderung ist, bestehende Gebäude nachhaltig in die Zukunft zu führen, da sie viel graue Energie binden. Auch die Verzahnung der Schultypen sowie eine multi­funktionale Nutzung der Räume und Gebäude sind wichtig. Weitere Punkte sind die Integration der Schule – sowohl die Nutzung des Gebäudes als auch die Institution selbst – in die Gesellschaft und die Zusammen­arbeit mit den Eltern. 

GW Die größten Herausforderungen liegen im finanziellen Bereich. Die Budgets für Instand­haltung werden gekürzt, was zu Problemen bei der Pflege der Bausubstanz führen kann. Es ist wichtig, langfristig und in Lebens­zyklus­kosten zu denken. 

MS Es ist immens wichtig, das verfügbare Geld sinnvoll einzusetzen. Jede Gemeinde will die noch tollere Schule hinstellen. Da kommen wir aber an Grenzen. Noch mehr Geld zu investieren, bedeutet nicht unbedingt, dass wir mehr Nutzbarkeit bekommen. 

MU Diese Ansicht teile ich durchaus. In Vorarlberg ist da manchmal ein Manierismus am Werk, der nicht mehr angemessen ist. Und ja, dem Bauen im Bestand gehört die Zukunft, wobei ich glaube, dass es meistens nicht ohne Zubauten gehen wird. 

CK Welche pädagogischen Anforderungen an neue Gebäude­typen gibt es, wenn man zum Beispiel an denkt? 

MS Die räumlich-pädagogischen Konzepte sind sehr flexibel. Es geht darum, Räume zu schaffen, die den Bedürfnissen aller Kinder gerecht werden, etwa Rückzugs­räume oder akustische Optimierungen für eine gute Lern­umgebung. Und nochmals: Wir müssen sicherstellen, dass die Kosten nicht überzogen werden. 

HK Die größte Aufgabe in Wien ist schlichtweg, den dringend erforderlichen Bildungs­raum im Pflicht­schul­bereich zu schaffen und den Bestand an Bildungs­gebäuden adäquat und zeitgemäß zu sanieren. 

CK Der notwendige Bildungsraum würde sich in der Ostregion zumindest teilweise über eine bessere Kooperation zwischen den Bundes­ländern Wien und Niederösterreich schaffen lassen. In Wien quellen die Klassen über, knapp jenseits der Stadt­grenze gibt es freie Plätze. 

HK Wir haben versucht, die Lenkung der Schüler:innen über Landes­grenzen hinweg anzustoßen, das ist aber leider bisher nicht gelungen. 

CK Zum Abschluss eine Frage, die sich vor allem auf die Finanzierung von Schulen bezieht: Wie positionieren Sie sich beim Thema

WG Da geht es nicht nur um die Finanzierung. Public Private Partnerships sind ein guter Ansatz, um den Betrieb von Gebäuden langfristig zu sichern und regelmäßig zu optimieren. Gebäude sind heute eher Maschine als reine Hülle. Da braucht es auch die Expertise, diese Maschine richtig zu betreiben und Instand­haltung­sarbeiten umzusetzen. Die BIG bietet all dies an. 

MU Als Architekt sehe ich das anders. Erstens ist PPP auf die gesamte Laufzeit betrachtet die teurere Lösung, auch wenn es momentan hilft, die Maastricht-Kriterien einzuhalten. Zweitens fallen die Entwurfs­architekt:innen oft aus dem Planungs­prozess heraus und werden durch billigere Planer:innen ersetzt, die dem Total­unternehmer nicht Paroli bieten können. Der sucht natürlich immer die für ihn wirtschaftlich vorteil­hafteste Lösung, und das kann zum Problem werden. 

HK Wir haben mittlerweile bei elf in Betrieb stehenden Bildungs­bauten sehr gute Erfahrungen mit PPP-Modellen gemacht. Natürlich sind die Maastricht-Kriterien ein wichtiges Motiv für die Wahl dieses Modells, aber auch im Hinblick auf die Wartung und Instand­haltung sowie die Betriebs­führung hat es viele Stärken. Diese Leistungen könnte die Stadt auch selbst erbringen, aber bei derart großen Bildungs­gebäuden ist es effektiver, ein Facility Management vor Ort zu haben, das die hoch­komplexen haustechnischen Anlagen betreibt. Der PPP-Auftrag­nehmer stellt nicht nur die Nutzungs­qualität sicher, sondern auch die Erhaltung der Gebäude. Wir können diese damit nach 25 Jahren Betrieb auch in einem guten Zustand übernehmen.

Peter Dietl studierte Maschinenbau an der TU Wien. Seit 1996 ist er im Bildungs­ministerium in der Projekt­umsetzung von Schulbau­vorhaben tätig, seit 2008 leitet er die Abteilung für Schulerhaltung. Im ÖISS vertritt er als Vorsitzender des Arbeitskreises Schulraum das Bildungs­ministerium.
www.bmb.gv.at

Wolfgang Gleissner studierte Bauingenieurwesen an der TU Wien und arbeitete dort als Assistent am Institut für Straßenbau und Verkehrs­wesen. Von 1988 bis 2000 war er in unter­schiedlichen Funktionen im Bundes­ministerium für Wirtschaft und Arbeit tätig und später für die Immobilien­gesellschaft des Bundes. Von 2006 bis 2024 fungierte er als Geschäfts­führer der BIG Bundes­immobilien­gesellschaft m. b. H.
www.big.at 

Herwig Kroat studierte Architektur an der TU Wien und ist nach Arbeit in unterschiedlichen Architektur­büros seit 2011 für die Stadt Wien tätig. Seit 2012 arbeitet er am innovativen Wiener Campus­modell mit, seit September 2024 leitet er das Bildungs­einrichtungen-Neubau­programm der Stadt Wien.
www.wien.gv.at/bildung/schulen/schulbau/neubauprogramm.html 

Monika Steurer studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt und unterrichtete an den Mittelschulen Lingenau sowie der Musik­mittel­schule Bregenz-Stadt. Später wechselte sie an die Päda­gogische Hochschule Vorarlberg und war unter anderem für Bildungs­standards zuständig sowie als Referentin in der Lehrer:innen­fort- und -weiterbildung tätig. Aktuell ist sie Leiterin des Pädagogischen Dienstes in der Bildungs­direktion Vorarlberg.
www.bildung-vbg.gv.at/ueber-uns/paedagogischer-bereich/paedagogische-leitung.html

Much Untertrifaller studierte Architektur an der TU Wien. Mitte der 1980er-Jahre begann die Kooperation mit Helmut Dietrich als Dietrich Untertrifaller Architekten, anfangs in Bregenz, später folgten auch Büros in Wien, St. Gallen, Paris und München. Er lehrt als Honorar­professor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz, war unter anderem Präsident der ZV (Zentral­vereinigung der Architekt:innen) Vorarlberg und ist Mitglied diverser Gestaltungsbeiräte.
www.dtflr.com

Gerhard Wastian studierte Architektur an der Universität Innsbruck und ist seit Jänner 2018 Vorstand der Abteilung Hochbau des Landes Tirol. Er vertritt sein Land auch im Beirat für Baukultur und engagiert sich bei den jährlichen Treffen der Baukultur­verantwortlichen der Bundesländer.
www.tirol.gv.at/bauen-wohnen/hochbau