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Pierre de Coubertin BORG, Radstadt

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Pierre de Coubertin BORG Radstadt

Mit den Babyboomern sind auch die Schulen, die diese besuchten, in die Jahre gekommen. Lieber sanieren oder besser neu bauen? Beim BORG in Radstadt hat man sich für Ersteres entschieden. Nach erfolgtem Umbau ist es kaum wiederzuerkennen, und das ist gut so.

Schulleitung, Bildungsdirektion und Bundes­ministerium waren sich einig, dass ohne eine tiefgreifende Erneuerung des Bestands die päda­gogischen Ziel­setzungen nicht mehr zu garantieren seien. Die Schule mit acht für rund 200 junge Menschen zwischen 15 und 19 Jahren führt einen musischen und einen natur­wissen­schaftlich-digitalen Zweig. Ihr Einzugsgebiet umfasst große Teile des Pongaus sowie des Lammertals und reicht bis in die Ober­steiermark. Tägliche Schulwege von mehr als einer Stunde Fahrzeit sind keine Seltenheit. Da ist es von Vorteil, dass die Schule nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt liegt. Aufenthalts­räume mit hoher Qualität für unter­richtsfreie Zeiten fehlten der drei­geschoßigen Gangschule aus den 1970er-Jahren jedoch. 

Grundriss 1. Obergeschoß

Durch einen dosierten Abbruch und eine Erweiterung in Holzbau­weise gelang das Kunst­stück, das Gebäude völlig neu zu programmieren. Dort, wo einst schmale Gänge lagen, befinden sich jetzt licht­durch­flutete Räume. Die Differenzierung in Massiv­bauweise – gleichb­edeutend mit dem Bestand – und in sichtbare Holz­oberflächen für alle Neubauteile (eine Holz­skelett­konstruktion mit aussteifenden Wänden aus Brett­sperrholz) machen den Umbau im Inneren erlebbar. Bestand und Neubau sind über die Aula miteinander verwoben. Dorthin öffnen sich im Erdgeschoß ein Küchen- und Essens­bereich sowie die Bibliothek mit raumhohen Verglasungen. Vertikal führt der Weg über eine ins erste und von dort über eine filigrane Stiege ins zweite Obergeschoß. Die dritte Dimension bleibt dank des alle Ebenen verbindenden erlebbar und die Orientierung eine ganz selbst­verständliche. Im Norden mit Blick zum historischen Radstadt samt seiner mittel­alterlichen Stadt­mauer, entstanden in den Ober­geschoßen Unterrichts­räume mit durch­gesteckten Gemein­schafts­räumen, die mittels großer Doppel­türen zu offenen Lern­arrangements zusammen­geschaltet werden können. 

Durch den Umbau entfiel das Satteldach, wodurch das Haupt­gebäude deutlich niedriger wirkt als zuvor. Die Fassade wurde thermisch ertüchtigt und erhielt eine Schalung aus vorver­grautem Lärchen­holz. Die kräftig vorspringenden Gesims­bänder fassen den Baukörper und dienen zusammen mit den tiefen Fenster­laibungen auch zur Verschattung der nach Süden orientierten Klassen­zimmer.

Roman Höllbacher

[ Pierre de Coubertin Bundes­ober­stufen­gymnasium, Radstadt ] Architektur: strobl architekten ZT GmbH. Bauherrschaft: BIG Bundes­immobilien­gesellschaft m. b. H., im Auftrag des Bildungs­ministeriums. Tragwerks­planung: ConLignum ZT GmbH. Art der Vergabe: Offener, einstufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2021–2024. Nutzfläche: 3 301 m². Adresse: Moosallee 7, 5050 Radstadt, Salzburg.