Volks- und Berufsschule Längenfeldgasse Wien
Die Volks- und Berufsschule für 750 Kinder und Jugendliche ist zum sechsstöckigen, abgetreppten Baukörper mit Terrassenlandschaft verdichtet. Das rettet einen Obstgarten, bringt weniger Versiegelung und dafür mehr Freiraum für Stadt, Raum und Kopf.
Intelligente Verdichtung ist das Leitmotiv dieses Projekts. Die 17-klassige Volksschule ist auf einen zweigeschoßigen Quader von 60 mal 50 Meter konzentriert, die Räume für die Berufsschule sind nordseitig mit eigenem Zugang darübergestapelt. Dadurch blieb der Obstgarten der Kochlehrlinge am Bauplatz erhalten – ein wertvolles Stück unversiegelter Freiraum in der dicht verbauten Stadt.
Angst vor Farbe, rauen Materialien und unorthodoxen Details gibt es hier keine. Die Fassade aus gelochtem Aluminiumblech ist einfach auf blauer Windpappe montiert, Stahlgeländer, Wände und Treppenuntersichten sind bunt gestrichen, als Fluchtwegmarkierung genügt eine Änderung der Verlegerichtung des Industrieparketts um 90 Grad.

Der Volksschuleingang ist in die westliche Gebäudeecke eingeschnitten, die Sporthalle und der Gymnastikraum dahinter sind auch extern nutzbar. Seine zur Belichtung hochgekippte Decke dient zugleich als Sitztreppe in der Aula, von der aus auch Garderoben, Speisesaal und Sonderunterrichtsräume erreichbar sind. Zwei Atrien, die sich im ersten Obergeschoß zu einem Innenhof erweitern, bringen Licht in die Mittelzone der Volksschule. Auf dieser Ebene liegen auch die Bildungsbereiche (BIBER) der Volksschule, wobei jeweils vier bis fünf Bildungsräume und ein Teamraum für Lehrer:innen um eine gemeinsame multifunktionale Zone (MUFU) gruppiert sind. In den Bildungsräumen wird mit einem Regal ein sogenanntes „Nest“ als Rückzugsnische abgetrennt. Verglasungen zwischen MUFU und Stammklassenräumen vermindern zusammen mit überlegt gesetzten Spiegeln den Eindruck starrer Raumkanten und erzeugen das Gefühl einer „unendlichen Lernlandschaft“.


Die Räume der Berufsschule – 21 Klassen und eine Übungsfirma – schließen nach oben hin in den abgetreppt zurückspringenden Obergeschossen an. Die große Terrasse über der Volksschule und kleine Terrassen vor der Berufsschule sind mit Pergolen und Hochbeeten möbliert. Außenstiegen aus Metall dienen nicht nur als Fluchttreppen, sondern erweitern das Erlebnisspektrum vom kühn auskragenden Podest in knapp 22 Meter Höhe bis zu den abschließenden Rutschen in den Garten erheblich.
[ Volksschule und Berufsschule Längenfeldgasse, Wien ] Architektur: PPAG architects ztgmbh. Bauherrin: Stadt Wien. Tragwerksplanung: Werkraum Ingenieure ZT GmbH. Landschaftsarchitektur: EGKK Landschaftsarchitektur. Art der Vergabe: Offener, einstufiger Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich. Planungs- und Bauzeit: 2017–2020. Nutzfläche: 7 722 m². Adresse: Längenfeldgasse 17, 1120 Wien.