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Volksschule Carlbergergasse, Wien

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Volksschule Carlbergergasse Wien

Vorausschauend hatte man beim Bestands­gebäude, einer Gang­schule aus dem Jahr 1999, eine Leer­stelle für eine zukünftige Erweiterung gelassen. Der Zubau füllt diese Lücke ganz anders als geplant und überzeugt als kunst­volle Verbindung von Geo­metrie und Pädagogik.

Eine Mittelschule im Stadtteil Atzgersdorf an der südlichen Peripherie Wiens sollte um eine Volks­schule erweitert werden. Die Bestands­struktur sah dafür die Verlängerung eines bestehenden Trakts – einer Mittel­gang­lösung mit beide­rseits angeordneten Klassen­zimmern – vor. Der lang­gestreckte Hof des Bestands wäre dabei zu einer geschlossenen Form komplettiert worden.

Im setzte sich eine raffinierte Alternative durch, eine stern­förmige Anlage, die im Grundriss auf einem Sechseck aufbaut. Der Hof wird nicht geschlossen, sondern mit einem eigen­ständigen, kompakten Baukörper besetzt, der durch die stern­förmige Kontur nirgendwo beengend wirkt. Ein Sockel­gebäude stellt die Verbindung zum Bestand her und kompensiert mit seiner Terrassen­landschaft zumindest teilweise den Wegfall der Hofflächen.

Grundriss 1. Obergeschoß

Obwohl es sich hier nicht um ein Projekt aus der Reihe der Wiener handelt, ist das Prinzip von Bildungs­räumen und umgesetzt. Die Bildungs­räume sind quadratisch und so geschickt verdreht, dass sie von zwei Seiten über Eck Licht erhalten. Zwischen ihnen entstehen durch die Verdrehung Nischen, die teilweise als verglaste Gruppen­räume genutzt, teilweise der offenen Mittelzone zugeschlagen werden.

Im Erdgeschoß liegt ein großzügiges Foyer mit direkter Verbindung zur Direktion und zum Lehrer:innen­zimmer, zu dem ein eigener kleiner Innenhof als Freiraum gehört. Die Zentral­garderobe befindet sich im ersten Unter­geschoß und bietet über eine hexagonale Öffnung eine Sicht­verbindung ins Foyer. Nicht nur die Geometrie, sondern auch hoch­wertige Materialien, viel Licht und Durchblicke machen diese Schule zu einem besonderen Ort. Selbst die Treppenhäuser – eine Haupt­treppe im Foyer und eine kleinere, die direkt in den Hof ins Freie führt – haben Aufenthalts­qualität.

Der Stern von Atzgersdorf beweist, dass es jenseits des rechten Winkels noch andere Geometrien gibt, mit denen sich gute Räume gestalten lassen. Hier haben die Kinder beides: den rechten Winkel in den Bildungs­räumen und eine tanzende Geometrie rundherum.

Christian Kühn

[ Volksschule Carlbergergasse, Wien ] Architektur: Klammer*Zeleny Architekten ZT GmbH. Bauherrin: Stadt Wien. Tragwerks­planung: FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH. Landschafts­architektur: korbwurf landschafts­architektur. Art der Vergabe: Offener, einstufiger Realisierungswettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2018–2020. Nutzfläche: 4 354 m². Adresse: Carlbergergasse 72, 1230 Wien.