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Volksschule Haselstauden, Dornbirn

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Volksschule Haselstauden Dornbirn

Ein gemeinsamer Lebensraum, der eine kindgerechte Rhythmisierung des Schul­alltags ermöglicht: Trotz Gliederung in drei Cluster lebt man hier in einem großen Raum für Teams. Alleine ist man dabei nie.

Im Dornbirner Schulraumprogramm, das 2009 mit einem Volumen von 100 Millionen Euro für die kommenden 20 Jahre beschlossen wurde, war für die Volksschule im Stadtteil Hasel­stauden noch kein Neubau, sondern eine Sanierung vorgesehen: Für eine zwölf­klassige Schule sei in den bestehenden Gebäuden Platz genug. Im Zuge der Umsetzung des Programms wuchsen aber die Ansprüche. Auch wenn die Quadrat­meter ausreichen, heißt das noch lange nicht, dass in einem Schulhaus ein zeitgemäßer Unterricht stattfinden kann. Und so entschied man sich letztlich dazu, von der alten Gang­schule aus den 1960er-Jahren nur die Sport­hallen zu erhalten und für die Schule selbst einen Neubau zu errichten. 

Der dafür fand Ende 2015 statt. In der Ausschreibung war eine Schule beschrieben, die keine Addition von Klassen­räumen mehr ist, sondern ein Lebens­raum, in dem die traditionelle Vorstellung von Schule auf den Kopf gestellt oder, besser gesagt, vom Kopf wieder auf die Füße gestellt wird. Denn die traditionelle Idee der Schule ist ja, Kinder körperlich möglichst ruhig und geistig konzentriert an ihrem Pult im Klassen­zimmer zu halten. In einer zeitgemäßen Schule kommen solche Phasen zwar vor, sind aber nicht mehr die Regel. In der finden die Kinder ihre Orte zum Lernen und bilden Gruppen, die gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Diese Schule ist ein Raum für Teams, ein je nach Bedarf teilbarer Großraum, in dem Kinder und ihre Lehrer:innen in unter­schiedlichen Lern­arrangements und -rhythmen zusammenarbeiten.

Schnitt
Grundriss 1. Obergeschoß
Grundriss Erdgeschoß

Die Volksschule Haselstauden bietet dafür optimale Voraus­setzungen. Sie umfasst drei zu je vier Klassen, zwei davon im Obergeschoß, einen auf der Eingangs­ebene. In jedem Cluster haben die vier Schulstufen je einen Bildungsraum und teilen sich einen gemeinsamen . Die Architektur ist maximal transparent; Rückzugs­bereiche werden durch das Mobiliar hergestellt. Licht kommt aus allen Richtungen, auch von oben, über Verglasungen, die sich im Boden als kreisrunde Öffnungen fortsetzen und damit auch das darunterliegende Geschoß belichten. Die Garderoben befinden sich direkt bei den Clustern; für den Weg vom Haupt­eingang bis dorthin nehmen die Schüler:innen ihre Schuhe in die Hand und tauschen sie erst in der Garderobe gegen Hausschuhe. Der hochwertige Teppich­boden, der in der ganzen Schule verlegt ist, hat sich auch an den am höchsten beanspruchten Stellen, den Eingang eingeschlossen, bewährt. 

Dieses Umfeld mit seinen visuellen und akustischen Reizen ist für manche Kinder eine Heraus­forderung. Zumindest als akustische Abhilfe dienen Gehör­schutz­bügel, die von den Kindern, die sie bei der Freiarbeit brauchen, selbstständig von ihren Wandhaken genommen werden. 

Ein besonderes Highlight ist die große , die vom Eingang ins Unter­geschoß führt, wo Mensa und liegen. Hier findet die ganze Schul­gemeinschaft mit knapp 300 Personen Platz. Die Archi­tekt:innen haben das Gelände abgesenkt und so modelliert, dass das Unter­geschoß einen direkten Ausgang ins Freie hat und sich die Sitzstufen der Innen­treppe auch im Außenraum fortsetzen. Von dieser Seite wirkt das Haus wie ein Raumschiff, das sich sanft ins Gelände gesenkt hat. Diese Schule macht, so die Direktorin, „viel Freude“. Sie sei nicht nur Arbeits­platz, sondern auch Lebens­raum. Ein größeres Lob vonseiten der Nutzer:innen kann Architektur nicht erhalten.

Christian Kühn

[ Volksschule Haselstauden, Dornbirn ] Architektur: fasch&fuchs.architekten. Bauherrschaft: Stadt Dornbirn. Tragwerks­planung: Werkraum Ingenieure ZT GmbH. Art der Vergabe: Nicht offener, einstufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2016–2020. Nutzfläche: 2 556 m². Adresse: Haselstauderstraße 20, 6850 Dornbirn, Vorarlberg.