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2018 21 Volksschule Lauterach Dorf Lauterach ← zurück

Volksschule Lauterach Dorf, Lauterach

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Volksschule Lauterach Dorf Lauterach

Wie zwei schützende Arme bilden die neu errichteten Klassen­pavillons einen Halb­kreis um das historische Schul­gebäude und schieben sich in viel­fältigen Raum­konstellationen zwischen die Stämme der schönen, alten Bäume.

Eigentlich sollte das in den 1930er-Jahren errichtete Schulhaus im Vorarlberger Lauterach abgerissen werden und einem Neubau weichen, dann jedoch stellte sich heraus, dass es für den Ort und seine Bewoh­ner:innen von Bedeutung ist. Als Teil des kollektiven Gedächtnisses und Hort vieler Erinnerungen blieb es also erhalten und bildet nun das ruhige, stabile Gegenüber für die neuen, wie verstreute Inseln auf der Schulwiese verteilten Klassen­pavillons. Um den historischen Baum­bestand zu erhalten, der dem Ort je nach Jahreszeit abwechselnd wunderbare Stimmungen verleiht, ist jeder der vier eingeschoßigen in seiner Form und Kontur unterschiedlich.

Respektvoll lässt die Architektur der Natur ihren Raum und bezieht sie gleichzeitig als wesentlichen Bestandteil in die Planung mit ein. Die Funktionen der Volksschule sind klar zwischen Bestands­gebäude und Pavillons getrennt. Der sensibel renovierte Altbau – und ein kleiner, nach Westen orientierter Zubau – beinhalten die gemein­schaftlichen und klassen­über­greifenden Nutzungen wie Werkräume, Aula, Mittags­tisch, Bibliothek und Verwaltung sowie eine unterirdische Sport­halle. Die vier neu errichteten Rauminseln beherbergen je einen Cluster mit vier Klassen­räumen und einem gemeinsamen , der als multi­funktionale Mitte fungiert. Alle haben einen eigenen Zugang von außen und werden dadurch zu sozialen Einheiten innerhalb des großen Ganzen. Über offene, gedeckte Gänge docken sie an das Haupt­gebäude an und bieten einen schwellen­losen Zugang zum Freiraum rundum.

Grundriss Erdgeschoß
Schnitt/Ansicht Süd

Mehrere Holzterrassen bilden Freiklassen, und sogar das begrünte Dach ist an mehreren Stellen zugänglich und kann im Unterricht mitgenutzt werden. Als klimatische Puffer­zonen gibt es entlang der Klassen­räume vorgelagerte, als verbindende Gänge ausgebildete Winter­gärten, die – je nach Jahreszeit oder Außen­temperatur – die Sonnen­einstrahlung als Wärmequelle nutzen beziehungsweise die dahinter­liegenden Räume vor Überhitzung schützen. Sie kommen im Großteil des Jahres als spannende zusätzliche Lernzonen zum Einsatz.

Im Inneren jedes Clusters tut sich ein abwechslungs­reiches Raum­erlebnis abseits jeder Standardisierung auf. Durch raumhohe Verglasungen und Schiebe­elemente werden Klassen­zimmer und die gemeinsame  zu einem Raumkontinuum.

Der Marktplatz ist das kommunikative Herz der Einheit, er ist Arbeits- und Wohnzimmer für Kinder und Lehrende. Rundum finden sich kindgerechte Nischen und Ecken, intime Rückzugs­plätze, erhöhte Lesepodeste und vielerlei andere atmosphärisch starke Orte für alle Bedürfnisse des Schulalltags. Den räumlichen Lösungen ist anzumerken, dass die Archi­tekt:innen die Schüler:innen ebenso wie die Päda­gog:innen ernst nehmen. Hier ermöglicht bedacht gestalteter Raum ein lustvolles Lernen und Lehren. Er lässt Konzentration und Ruhe ebenso wie Bewegung und Gemeinschaft zu. Viele durchdachte Details wurden in enger Kooperation zwischen Planenden und Päda­gog:innen entwickelt – etwa die tiefen Holz­schubladen unter den Sitz­podesten in den Klassen­zimmern.

Die wertschätzende, flexible Architektur fördert das Miteinander und erzeugt eine entspannte und anregende Stimmung, wie sie Schule als Lebensraum generell bieten sollte. Großer Wert wird in diesem Hybridbau auch auf die Materialien gelegt: In Verbindung mit Holz wirkt sogar der Beton warm und freundlich. 

Nicola Weber

[ Volksschule Lauterach Dorf, Lauterach ] Architektur: Architektur­büro Feyferlik/Fritzer. Bauherrschaft: Markt­gemeinde Lauterach Immobilien­verwaltungs-GmbH & Co KG. Tragwerks­planung: DI Johann Birner. Art der Vergabe: Nicht offener, einstufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2012–2018. Nutzfläche: 3 634 m². Adresse: Schulstraße 5, 6923 Lauterach, Vorarlberg.