Volksschule Lauterach Dorf Lauterach
Wie zwei schützende Arme bilden die neu errichteten Klassenpavillons einen Halbkreis um das historische Schulgebäude und schieben sich in vielfältigen Raumkonstellationen zwischen die Stämme der schönen, alten Bäume.
Eigentlich sollte das in den 1930er-Jahren errichtete Schulhaus im Vorarlberger Lauterach abgerissen werden und einem Neubau weichen, dann jedoch stellte sich heraus, dass es für den Ort und seine Bewohner:innen von Bedeutung ist. Als Teil des kollektiven Gedächtnisses und Hort vieler Erinnerungen blieb es also erhalten und bildet nun das ruhige, stabile Gegenüber für die neuen, wie verstreute Inseln auf der Schulwiese verteilten Klassenpavillons. Um den historischen Baumbestand zu erhalten, der dem Ort je nach Jahreszeit abwechselnd wunderbare Stimmungen verleiht, ist jeder der vier eingeschoßigen Cluster in seiner Form und Kontur unterschiedlich.
Respektvoll lässt die Architektur der Natur ihren Raum und bezieht sie gleichzeitig als wesentlichen Bestandteil in die Planung mit ein. Die Funktionen der Volksschule sind klar zwischen Bestandsgebäude und Pavillons getrennt. Der sensibel renovierte Altbau – und ein kleiner, nach Westen orientierter Zubau – beinhalten die gemeinschaftlichen und klassenübergreifenden Nutzungen wie Werkräume, Aula, Mittagstisch, Bibliothek und Verwaltung sowie eine unterirdische Sporthalle. Die vier neu errichteten Rauminseln beherbergen je einen Cluster mit vier Klassenräumen und einem gemeinsamen Marktplatz, der als multifunktionale Mitte fungiert. Alle haben einen eigenen Zugang von außen und werden dadurch zu sozialen Einheiten innerhalb des großen Ganzen. Über offene, gedeckte Gänge docken sie an das Hauptgebäude an und bieten einen schwellenlosen Zugang zum Freiraum rundum.


Mehrere Holzterrassen bilden Freiklassen, und sogar das begrünte Dach ist an mehreren Stellen zugänglich und kann im Unterricht mitgenutzt werden. Als klimatische Pufferzonen gibt es entlang der Klassenräume vorgelagerte, als verbindende Gänge ausgebildete Wintergärten, die – je nach Jahreszeit oder Außentemperatur – die Sonneneinstrahlung als Wärmequelle nutzen beziehungsweise die dahinterliegenden Räume vor Überhitzung schützen. Sie kommen im Großteil des Jahres als spannende zusätzliche Lernzonen zum Einsatz.
Im Inneren jedes Clusters tut sich ein abwechslungsreiches Raumerlebnis abseits jeder Standardisierung auf. Durch raumhohe Verglasungen und Schiebeelemente werden Klassenzimmer und die gemeinsame offene Lernzone zu einem Raumkontinuum.
Der Marktplatz ist das kommunikative Herz der Einheit, er ist Arbeits- und Wohnzimmer für Kinder und Lehrende. Rundum finden sich kindgerechte Nischen und Ecken, intime Rückzugsplätze, erhöhte Lesepodeste und vielerlei andere atmosphärisch starke Orte für alle Bedürfnisse des Schulalltags. Den räumlichen Lösungen ist anzumerken, dass die Architekt:innen die Schüler:innen ebenso wie die Pädagog:innen ernst nehmen. Hier ermöglicht bedacht gestalteter Raum ein lustvolles Lernen und Lehren. Er lässt Konzentration und Ruhe ebenso wie Bewegung und Gemeinschaft zu. Viele durchdachte Details wurden in enger Kooperation zwischen Planenden und Pädagog:innen entwickelt – etwa die tiefen Holzschubladen unter den Sitzpodesten in den Klassenzimmern.
Die wertschätzende, flexible Architektur fördert das Miteinander und erzeugt eine entspannte und anregende Stimmung, wie sie Schule als Lebensraum generell bieten sollte. Großer Wert wird in diesem Hybridbau auch auf die Materialien gelegt: In Verbindung mit Holz wirkt sogar der Beton warm und freundlich.
[ Volksschule Lauterach Dorf, Lauterach ] Architektur: Architekturbüro Feyferlik/Fritzer. Bauherrschaft: Marktgemeinde Lauterach Immobilienverwaltungs-GmbH & Co KG. Tragwerksplanung: DI Johann Birner. Art der Vergabe: Nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich. Planungs- und Bauzeit: 2012–2018. Nutzfläche: 3 634 m². Adresse: Schulstraße 5, 6923 Lauterach, Vorarlberg.