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Bildungscampus Friedrich Fexer, Wien

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Bildungscampus Friedrich Fexer Wien

Ein langlebiges Gerüst mit wandlungs­fähigen Einbauten zu kombinieren, ist die Grund­idee dieses Projekts. In 30 Jahren könnte hier ohne großen Aufwand ein Wohnheim für Senior:innen einziehen. Das Prinzip von Gerüst und Füllung macht’s möglich.

In einem Stadterweiterungsgebiet an der Peripherie gelegen, bietet dieser Bildungs­campus auf drei Etagen Platz für rund 800 Kinder. Im Erdgeschoß befinden sich eine Krabbel­stube für die Kleinsten mit eigenem Garten sowie die Expositur einer Musikschule und ein Veranstaltungs­saal. In den beiden Obergeschoßen liegen die Bildungs­räume für die Volks­schule und für den Kinder­garten. Die sonst zum Wiener gehörende Mittelschule fehlt hier im , da es unmittelbar gegenüber eine Bestands­schule dieses Typs gibt.

Jeweils vier Volksschul- und zwei Kindergartengruppenräume sind zu einem „Bildungsbereich“ zusammengefasst, der in den Wiener Pflichtschulen als abgekürzt wird. Das Besondere an den BIBERn in der Attemsgasse ist, dass sich Kindergarten und Volksschule eine zusammen­hängende Gemeinschafts­zone, die multi­funktionale Zone (), teilen, in der die Institutionen fließend ineinander übergehen. Dass größere Kinder mit den kleinen üben, ist hier keine Fantasie, sondern gelebte Praxis. Dieses Modell wird in Wien unter dem Begriff „Campus plus“ für alle neuen Campus­standorte umgesetzt.

Grundriss 1. Obergeschoß
Schnitt

Die räumliche Verschränkung so unter­schiedlicher Institutionen ist naturgemäß eine Heraus­forderung, gelten doch für Schulen und Kinder­gärten unter­schiedliche Gesetze und Vorschriften, etwa bei der Sicherheit. Die offenen Raum­strukturen mit großen Verglasungen erleichtern den Überblick und vermitteln das Gefühl einer geteilten Verantwortung. Im Idealfall fühlen sich alle Pädagog:innen für alle Kinder verantwortlich. Um Licht in den tiefen Baukörper zu bringen, sind in jeden BIBER zwei kleine, begrünte Atrien eingeschnitten, die nicht zuletzt die Orientierung im verzweigten Wegenetz des BIBERs verbessern. Gänge im üblichen Sinn gibt es in dieser Schule nicht: Boden­markierungen zeigen an, welche Bereiche als Flucht­wege von Möblierung freizuhalten sind. In den Phasen der „freien Freizeit“ am Nachmittag, in der die BIBER unter­schiedliche Angebote machen, für die sich die Kinder je nach Interesse anmelden können, kann die Schule als Ganzes bespielt werden, mit vielen Stationen, verbunden durch die groß­zügige Halle im Zentrum mit Treppe und Aufzügen.

Die Pädagog:innen sind sich bewusst, dass sie hier eine außer­gewöhnliche und reichhaltige Lernumgebung bespielen dürfen. Als wenig alltags­tauglich kritisiert wird das Fehlen eines eigenen Wasser­anschlusses in den Bildungs­räumen. Die Wasser­entnahme­stellen in den MUFUs sind eine Ergänzung, aber kein Ersatz dafür. 

Dass die Schule als realisiert wurde, erkennt man an einigen ruppigen Details, etwa den Balkon­geländern. Die offene Leitungs­führung an der Decke passt aber durchaus zur Idee eines flexiblen, offenen Gerüsts, das sich die Nutzer:innen für ihre Bedürfnisse aneignen können. Vor Regen und Kälte muss man sich trotzdem nicht fürchten: Offen ist das Gerüst nur in seiner äußersten, drei Meter tiefen Zone, in der Balkone Unterricht im Freien ermöglichen, Blumen­tröge zum Garteln einladen und Frei­treppen einen schnellen Weg in den Schulgarten bieten. Ähnlichkeiten mit dem Innenstadt-IKEA am Wiener Westbahnhof sind kein Zufall: Dort hat dasselbe Architektur­büro das Thema von Gerüst und Füllung in einem größeren Maßstab umgesetzt.

Christian Kühn

[ Kindergarten und Volksschule Friedrich Fexer, Attemsgasse, Wien ] Architektur: querkraft architekten zt gmbh. Ausführungsplanung: skyline architekten ZT GmbH. Bauherrin: Stadt Wien. Tragwerks­planung: FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH. Landschafts­architektur: korbwurf landschafts­architektur. Art der Vergabe: Offener, zweistufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2014–2017. Nutzfläche: 7 500 m². Adresse: Attemsgasse 22, 1220 Wien.