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2017 18 Schule Schendlingen Bregenz ← zurück

Schule Schendlingen, Bregenz

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Schule Schendlingen Bregenz

Getragen von einem erweiterten Bildungs­begriff ist diese Schule viel mehr als nur Lernraum. In einem mitunter rauen Umfeld ist sie Wohn- und Freizeitort, Arbeits­platz sowie soziale Heimat und möchte damit den Anspruch der Chancen­gerechtig­keit konsequent einlösen.

Anstelle der gesichtslosen Volksschule aus den 1970er-Jahren entstand ein einpräg­samer Schul­campus mit Volks- und Mittelschule im Bregenzer Stadtteil Rieden-Vorkloster. Der neue Baukörper bildet ein Quartiers­zentrum inmitten hetero­gener Wohn­bebauung und sitzt so auf dem Grund­stück, dass der öffentliche Raum an zwei Stellen förmlich ins Gebäude hineinfließt und vielfältig nutzbare Platz­situationen entstehen. Das Gebäude in Sichtbeton vermittelt bewusst Stabilität – eine wichtige Botschaft in einem sozial schwierigen Viertel am Stadtrand.

Die räumliche Organisation wurde in enger Zusammen­arbeit von Päda­gog:innen und Archi­tektur­büros entwickelt und fußt auf der grund­sätzlichen Entscheidung, Volks- und Mittelschule räumlich verschränkt zu konzipieren. Die verschiedenen Alters­stufen treffen sich also im Haus und nutzen die , die multi­funktio­nalen Gangzonen und den Mittags­bereich zusammen. Das gemeinsame Essen findet in der ebenerdigen Aula statt, die als lichtdurchflutetes Herz der Schule die zentrale Verteiler­zone bildet. Die räumliche Vernetzung unterstützt die Heraus­bildung durchgängig gelebter Werthaltungen und trägt damit zu einem der Haupt­anliegen des Schul­konzepts bei.

Im Erdgeschoß liegen Verwaltung, Bücherei und die öffentliche Musik­schule. In den zwei Stock­werken darüber befinden sich einerseits die Fachräume und anderer­seits die acht , die hier „Häuser“ heißen und in der insgesamt flachen Hierarchie der Schule sehr eigen­verantwortlich agieren. Je drei Klassen­zimmer orientieren sich zu einer gemeinsamen Mitte mit angeschlossener Freiterrasse und bilden autonome Einheiten von etwa 70 Schüler:innen und ihrem Lehrer:innenteam.

Schnitt
Grundriss Erdgeschoß

Nicht nur Garderobe und Sanitärräume sind direkt in den „Häusern“ angeordnet, sondern auch rundum verglaste Lehrer:innen­büros, die das allgemeine Konferenz­zimmer ersetzen. Dieser einfache Schachzug unterstützt die Idee des Team­teachings, gestaltet zugleich die Kommunikation mit den Schüler:innen besonders nieder­schwellig und macht deutlich: Hier gibt es Bezugs­personen, die offen und jederzeit ansprechbar sind. 

Vier Jahre lang sind die Kinder jeweils im wohnlichen Umfeld eines Clusters „zu Hause“. Sie ernen Zugehörigkeit, wertschätzende Beziehungen und funktio­nierende Nachbarschaft, unter­stützt durch die Kompaktheit des Raums. Zugleich erzeugt die Transparenz ein Umfeld mit vielschichtigem Austausch. Kein Leben in einer Kapsel also, sondern Rückzug und Kommunikation in guter Balance. Dies gelingt durch ein groß­zügiges Raum­angebot und die geschickte Zonierung des Schul­hauses, einerseits durch klug gesetzte Lichthöfe und anderseits durch Elemente wie Akustik­decken aus eigens entwickelten hellgrauen Filz­lamellen, die die Gemeinschafts­zonen definieren. Auch sonst wurde mit hochwertigen und unbehandelten Materialien gearbeitet – mit Weißtanne und Esche sowie mit Sichtbeton in einer äußerst edlen Ausführung. Dieses Gebäude erfüllt angesichts des sozialen Kontexts Aufgaben, die weit über die eines klassischen Schul­hauses hinausgehen. Es ist vielmehr ein Hybrid aus Schul-, Wohn- und Bürohaus und in seinem Gesamt­konzept ein archi­tekto­nisches wie päda­gogisches Muster­projekt für Vorarlberg.

Nicola Weber

[ Volksschule, Mittelschule und Sportmittelschule Schendlingen, Bregenz ] Architektur: Architekt Matthias Bär ZT GmbH, Architekt Bernd Riegger ZT GmbH, Querformat ZT GmbH. Entwurf: Architekt Matthias Bär ZT GmbH. Bauherrschaft: Landeshauptstadt Bregenz. Tragwerksplanung: DI Manfred Plankel. Kunst am Bau: Marbod Fritsch. Pädagogische Beratung: Otto Seydel. Art der Vergabe: Nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich. Planungs- und Bauzeit: 2014–2017. Nutzfläche: 6 920 m² (Neubau) + ca. 2 490 m² bestehende Sporthalle. Adresse: Wuhrwaldstraße 26, 6800 Bregenz, Vorarlberg.