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2014 9 HTL 1 Bau und Design Linz ← zurück

HTL 1 Bau und Design, Linz

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HTL 1 Bau und Design Linz

Die traditionsreiche HTL 1 passt ihren gründer­zeit­lichen Bau­bestand kontinuierlich den Anforderungen moderner Päda­gogik an. Der Zubau im Hof war dank seiner zwei­geschoßigen Aula für die spätere Einführung des Modells „offenes Lernbüro“ bestens geeignet.

Die Linzer HTL 1 wurde 1852 gegründet und ist eine Institution. Rund 1 700 Jugend­liche besuchen die Schule, 40 Prozent davon sind Mädchen. Die Schul­leitung betrachtet Eigen­verantwortung als wesentliche Kompetenz und setzt dort ihren päda­gogischen Schwer­punkt. Sie orientiert sich dabei am Modell des offenen Lern­büros, das Margret Rasfeld an der Evange­lischen Schule Berlin Mitte/Zentrum entwickelt hat. Dabei lernen die Schüler:innen eigen­ver­antwortlich und selbst organisiert, unter­stützt durch strukturierte Pläne und klare Ziele.

Das Konzept hat einen höheren Raum- und Personal­bedarf: Für je drei Klassen braucht es einen zusätzlichen Raum – die offene Klasse – zum vertieften Unterricht. Von Montag bis Donnerstag sind hier Lehrer:innen für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Bau­konstruktion drei Stunden lang für alle individuellen Anliegen anwesend. Einheiten von 50 Minuten gibt es nicht; jede:r kann den eigenen persönlichen Lernstil erkunden und sich dort einbuchen, wo Hilfe benötigt oder Heraus­forderung gewünscht wird.

Schulkultur neu zu denken, funktioniert nur mit einem engagierten Team und ist in alten räumlichen Strukturen schwer möglich. Die Archi­tektur mit der zentralen Halle erwies sich jedoch als sehr gut geeignet. Der einfache, fast 10 Meter breite und 40 Meter lange Quader dockt über zwei Verbindungs­brücken an seiner Schmal­seite an den gründer­zeitlichen Bestand an und steht fast frei im Hof.

Grundriss 2. Obergeschoß

Der Grundriss ist trotz des außer­gewöhnlichen päda­gogischen Konzepts erstaunlich konventionell: Im ersten und zweiten Stock reihen sich je vier Klassen­räume im Standard­format aneinander, die über groß­zügige Fenster­bänder belichtet werden und nutzungs­neutral gestaltet sind. Die Verglasungen zum Gang hin schaffen eine gewisse Durchlässigkeit.

Ein spezieller Raum ist die zweigeschoßige Aula, die im ersten Stock von einer umlaufenden Galerie gerahmt wird und westseitig zum Hof hin vollkommen verglast ist. Als Ort der Begegnung löst sie die Barrieren zwischen den Jahr­gängen auf. Die Glas-Stahl-Fassade setzt sich als Glasdach über dem des Foyers fort. Das weitet in jeder Hinsicht die Perspektive, ermöglicht den Schüler:innen, über alle Ebenen hinweg in Kontakt zu treten und schafft eine direkte Verbindung ins Freie.

Längst haben die Schüler:innen begonnen, auch den Altbau im Inneren zu adaptieren. An den toten Enden der Gänge haben sie Sitz­nischen gestaltet, und weil Rück­zugs­räume fehlten, zogen sie in der Bibliothek eine Galerie ein.

Isabella Marboe

[ Höhere technische Bundes­lehranstalt 1 Bau und Design Linz ] Architektur: Mag. arch. Hristina Hristova. Bauherrschaft: BIG Bundes­immobilien­gesellschaft m. b. H., im Auftrag des Bildungs­ministeriums. Tragwerks­planung: DI Josef Schindelar. Art der Vergabe: Offener, einstufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2011–2014. Nutzfläche: 2 220 m². Adresse: Goethestraße 17, 4020 Linz, Oberösterreich.