Schul- und Kulturzentrum Feldkirchen an der Donau
Während der Bauphase war die Volksschule über den ganzen Ort verstreut. Jetzt ist sie Teil eines lebendigen Ortszentrums mit Musikschule, Sporthalle und einer Mittelschule aus den 1970er-Jahren, die respektvoll saniert wurde.
Mit rund 5 500 Einwohner:innen ist Feldkirchen an der Donau eine mittelgroße Gemeinde im Einzugsgebiet von Linz. Schon im Jahr 2006 kam die Idee auf, die vorhandene Sporthalle um eine Musikschule zu ergänzen und besser für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Die an die Halle angrenzende Volks- und Mittelschule sollte saniert werden. Bei der Umsetzung stellte sich die Bausubstanz der Volksschule als zu marode heraus, um eine Sanierung zu rechtfertigen.
Stattdessen wurde ein Neubau in Angriff genommen, der sich an der bestehenden Mittelschule, einem Hallenschultyp aus den 1970er-Jahren, orientierte. Volksschule und Mittelschule sind um eine imaginäre Achse gespiegelt, die durch eine neue zentrale Halle verläuft, die alle Geschoße miteinander verbindet.
Wichtigstes Element dieser Halle ist eine große Lern- und Lesetreppe, die vom Erdgeschoß ins erste Obergeschoß führt, wo in Wandschränken die Schulbibliothek untergebracht ist. Die Sitztreppe ist in erster Linie eine Lernlandschaft, in der geschmökert und geplaudert wird. Das kräftige Rot, in dem die Sitzstufen lasiert sind, hebt das Aktivitätsniveau im Raum.
Zur Baugeschichte des Hauses gehört auch ein unfreiwilliges Experiment zur Frage, ob es überhaupt eine neue Schule gebraucht hätte. Kurz vor Baubeginn ging das Unternehmen, bei dem die Container bestellt waren, in denen die Schule während der Bauzeit untergebracht werden sollte, in Konkurs. Ersatz war kurzfristig nicht aufzutreiben, und so entschied man sich, die Schulklassen auf die Gemeinde zu verteilen.


Eine Klasse kam im Gemeinderatssaal unter, mehrere Klassen fanden Platz in leer stehenden Geschäftslokalen und andere in aufgelassenen Werkstätten. Die Bilanz fiel sehr positiv aus: Selten hätte es so viel Austausch mit den Gemeindebewohner:innen und Spaß bei der Aneignung von Räumen gegeben wie in diesen Monaten der Diaspora.
Austausch unter den Pädagog:innen gibt es im Neubau allerdings mehr: Die Volksschule Feldkirchen war die erste in Österreich, in der die Wände in den Clustern weitgehend aus Glas bestehen. Rückzugsbereiche und Nischen können mit beweglichen Möbeln und Pölstern hergestellt werden. Auch wenn manche Wände abgeklebt sind, möchten die Pädagog:innen den Durchblick in die Nachbarklassen und auf den Marktplatz nicht mehr missen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Kinderschutzkonzept, das die Schule kürzlich ausgearbeitet hat. Dass es pro Cluster nur eine Wasserentnahmestelle gibt und nicht mehr eine in jedem Klassenraum, wird dagegen als unpraktisch kritisiert.
Von außen betrachtet könnte die Schule mit ihren holzverschalten Balkonen und dem großen Glasanteil in der Fassade auch ein Bürohaus oder ein Boutiquehotel sein. Ein Ort der Arbeit gekreuzt mit einem Ort der Gastlichkeit: Vielleicht ist das tatsächlich eine gute Kombination für eine zeitgemäße Schule.
[ Volksschule, Mittelschule, Musikschule und Kulturzentrum Feldkirchen an der Donau ] Architektur: fasch&fuchs.architekten. Bauherrschaft: Verein zur Förderung der Infrastruktur der Marktgemeinde Feldkirchen an der Donau & Co KG. Tragwerksplanung: Werkraum Wien Ingenieure ZT GmbH. Art der Vergabe: Schul- und Kulturzentrum (Bauphase 1): EU-weiter geladener Wettbewerb; Sanierung Mittelschule, Neubau Volksschule (Bauphase 2): Direktvergabe durch das Land Oberösterreich. Planungs- und Bauzeit: 2008–2011 (Bauphase 1); 2012–2014 (Bauphase 2). Bruttogeschoßfläche: 7 851 m². Adresse: Schulstraße 12, 4101 Feldkirchen an der Donau, Oberösterreich.