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2023 46 Mittelschule Mittelweiherburg Hard ← zurück

Mittelschule Mittelweiherburg, Hard

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Mittelschule Mittelweiherburg Hard

Der Betonbrutalismus und die schrille Buntheit der 1960er-Jahre wurden bei diesem Umbau in qualitätvolle Raum­atmosphären und ein durch­dachtes Farbkonzept über­geführt. War früher die Archi­tektur der Pädagogik voraus, so stimmen beide nach 50 Jahren endlich überein.

In dieser Mittelschule in Hard bei Bregenz spiegeln sich die Reform­tendenzen der 1960er- und 1970er-Jahre auf prototypische Weise wider. Der gesell­schaftliche Anspruch auf „Bildung für alle“ manifestierte sich damals gleicheraßen in der Pädagogik wie in der Architektur. Forschungs­gruppen erarbeiteten den Typus der und entwickelten die Grundlagen für innovative Bauweisen und flexible Raummodelle. In dieser Aufbruch­stimmung war allerdings die Archi­tektur oftmals der Pädagogik voraus. Der Umbau dieses Schulhauses konnte daher auf einem fortschrittlichen archi­tektonischen Konzept aufbauen, das innovative Lehr- und Lernformen ermöglicht. 

An der Fassade und im Außenraum wurde nur wenig verändert, dies jedoch mit großer Wirkung. So verschwimmen nun rundum die Grenzen zum öffentlichen Raum und machen Transparenz und Offenheit unmittelbar spürbar. Heutige Anforderungen an Brand­schutz, Sicherheit und Barriere­freiheit wurden erfüllt und ansonsten der Fokus ganz nach innen gerichtet. Schon das Ankommen im Schulhaus durch den neuen Garderoben­trakt ist nun ein vollkommen anderes, ein helles, freundliches, Willkommen heißendes, ermöglicht durch die Abgrabung des angrenzenden Geländes. In diesem untersten Geschoß liegt auch der Bereich für den Mittags­tisch, wo die Verkehrs­flüsse durch ein lang gezogenes, geschwun­genes Sitzmöbel subtil gesteuert werden.

Ansicht Nord
Grundriss Erdgeschoß

Treffpunkt und zentraler Verteiler im Schulhaus ist das Atrium am Kreuzungs­punkt der beiden Gebäude­trakte. Der darüber­liegende achteckige verbindet alle Geschoße visuell miteinander – heute noch besser als einst, weil die massiven Stahl­geländer durch Glas­brüstungen ersetzt wurden, die Blick­beziehungen über die Stockwerke hinweg erlauben. Darüber ordnen sich geschoßweise je zwei à drei Klassenräumen an, die im ursprünglichen Gebäude schon angedacht waren, nun aber durch das Aufbrechen von Raum­barrieren zu echten Lern­landschaften wurden. Die Gestaltung folgt einer Schichtung der Öffentlichkeit von den gemeinsam genutzten, aktiven Galerie­flächen mit Sitz­nischen und „Computerbars“ bis hin zu akustisch abgeschirmten Seminarräumen, die in jedem Cluster Rückzug ermöglichen.

Besonders überraschend und gelungen ist in diesem Schulbau der Umgang mit Materialität und Farbe. Wo früher Beton­brutalismus, grelle Buntheit und glatt­gebohnertes Linoleum regierten, herrscht jetzt eine harmonisch-differenzierte Atmosphäre, die gekonnt sehr unter­schiedliche Ober­flächen kombiniert: Das Beton­skelett wurde sand­gestrahlt und darf jetzt wieder in seiner natürlichen Rauheit wirken. Dazu wurde ein ausgeklügeltes Farb­konzept mit fast 50 abge­stuften Tönen entwickelt, das sich selbstbewusst, aber harmonisch über Böden und Wände, Sanitärräume, Heizkörper und Sitz­polsterungen zieht. Die damit kombinierten Lärchen­elemente bringen Wärme und Eleganz in das Gebäude. Die Farbe moduliert den Raum, während der ursprüngliche Charakter der Schule in seiner Essenz weiterleben darf.

Nicola Weber

[ Mittelschule Mittelweiherburg, Hard ] Architektur: gruber locher architekten ZT GmbH. Bauherrschaft: Markt­gemeinde Hard. Tragwerks­planung: Mader & Flatz ZT GmbH. Farbkonzept: Monika Heiss. Art der Vergabe: Verhandlungs­verfahren. Planungs- und Bauzeit: 2019–2023. Nutzfläche: 5 921 m². Adresse: Flurstraße 12, 6971 Hard, Vorarlberg.