HTL Bau Informatik Design Innsbruck
Kein klassischer Schulraum, sondern eine Mischung aus Atelier, Großraumbüro und Kreativlabor wird den Abschlussklassen hier angeboten. Das ermöglicht ein eigenverantwortliches, disziplinenübergreifendes Lernen und bereitet auf den Übergang ins Berufsleben vor.
An der HTL im Westen von Innsbruck wird seit den 1970er-Jahren Technik und Gestaltung gelehrt. Wie bei vielen Schulen, so herrschte auch hier schon seit Jahren akute Platznot. Die kompakte, eingeschoßige Aufstockung erweitert den Klassentrakt um zusätzliche 1 600 Quadratmeter und bietet für die Maturajahrgänge eine offene Lernlandschaft, die mehr wie ein Atelier oder Großraumbüro anmutet denn wie eine klassische Schule. Das ist durchaus beabsichtigt: Viele der Jugendlichen stehen wenige Monate nach dem Schulabschluss schon im Berufsleben, worauf sie hier nicht nur inhaltlich, sondern auch atmosphärisch vorbereitet werden.
Nicht so sehr der behütete Rückzug steht im Mittelpunkt als vielmehr eine offene Raumstruktur, die als interdisziplinäres Kreativlabor funktioniert. Je drei Stammklassenräume sind an den Schmalseiten des langen Riegels angeordnet, zwei große Seminarräume mit je 300 Quadratmetern an den Längsseiten. Durch bewegliche und zugleich schallschluckende Möbelelemente lassen sich diese modern ausgestatteten Arbeitsräume in unterschiedlich große Zonen teilen. In den vier Ecken des Geschoßes bleiben luftig-offene Flächen mit Sitzlandschaften frei, eine kleine Dachterrasse ermöglicht zwischenzeitliches Frischluftschnappen. Es herrscht Transparenz zwischen den verschiedenen Fachbereichen und überall ist Platz für Präsentationen, kleine Ausstellungen und Inseln mit technischem Equipment.


Dynamik verleiht dem neuen Geschoß die starke Geste der Dachkonstruktion. Wie ein hölzernes Wellenmeer überspannt das Lamellendach weitgehend stützenfrei den Raum. Es schafft eine gleichmäßige Lichtsituation und verbirgt den präzise ausgetüftelten Schallschutz, der in den extrahohen Räumen besonders wichtig ist. Holzoberflächen aus Weißtanne machen dieses industriell angehauchte Ambiente dennoch zu einem wohnlichen Haus. Kontrast bietet die dunkle Fassade aus gekantetem, eloxiertem Aluminiumblech, die sich durch ein Fensterband klar vom Bestandsgebäude abhebt. Als ruhiger Baukörper bringt die Aufstockung ein wenig Eleganz in das heterogen bebaute Gewerbegebiet.
[ Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt Bau Informatik Design, Innsbruck ] Architektur: ao-architekten ZT GmbH. Bauherrschaft: BIG Bundesimmobiliengesellschaft m. b. H., im Auftrag des Bildungsministeriums. Tragwerksplanung: Alfred R. Brunnsteiner ZT GmbH. Art der Vergabe: Offener, einstufiger Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich. Planungs- und Bauzeit: 2016–2021. Nutzfläche: 1 600 m² (Erweiterung). Adresse: Trenkwalderstraße 2, 6020 Innsbruck, Tirol.