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2021 39 HTL Bau Informatik Design Innsbruck ← zurück

HTL Bau Informatik Design, Innsbruck

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HTL Bau Informatik Design Innsbruck

Kein klassischer Schulraum, sondern eine Mischung aus Atelier, Groß­raum­büro und Kreativ­labor wird den Abschluss­klassen hier angeboten. Das ermöglicht ein eigen­verantwort­liches, disziplinen­über­greifendes Lernen und bereitet auf den Übergang ins Berufsleben vor.

An der HTL im Westen von Innsbruck wird seit den 1970er-Jahren Technik und Gestaltung gelehrt. Wie bei vielen Schulen, so herrschte auch hier schon seit Jahren akute Platznot. Die kompakte, eingeschoßige Aufstockung erweitert den Klassen­trakt um zusätzliche 1 600 Quadrat­meter und bietet für die Matura­jahrgänge eine , die mehr wie ein Atelier oder Groß­raum­büro anmutet denn wie eine klassische Schule. Das ist durchaus beabsichtigt: Viele der Jugendlichen stehen wenige Monate nach dem Schul­abschluss schon im Berufs­leben, worauf sie hier nicht nur inhaltlich, sondern auch atmosphärisch vorbereitet werden. 

Nicht so sehr der behütete Rückzug steht im Mittel­punkt als vielmehr eine offene Raum­struktur, die als inter­diszipli­näres Kreativ­labor funktioniert. Je drei sind an den Schmal­seiten des langen Riegels angeordnet, zwei große Seminar­räume mit je 300 Quadrat­metern an den Längs­seiten. Durch bewegliche und zugleich schall­schluckende Möbel­elemente lassen sich diese modern ausgestatteten Arbeits­räume in unterschiedlich große Zonen teilen. In den vier Ecken des Geschoßes bleiben luftig-offene Flächen mit Sitz­land­schaften frei, eine kleine Dach­terrasse ermöglicht zwischen­zeitliches Frischluft­schnappen. Es herrscht Transparenz zwischen den verschiedenen Fach­bereichen und überall ist Platz für Präsentationen, kleine Ausstellungen und Inseln mit technischem Equipment. 

Schnitt
Grundriss 4. Obergeschoß

Dynamik verleiht dem neuen Geschoß die starke Geste der Dach­konstruktion. Wie ein hölzernes Wellen­meer überspannt das Lamellen­dach weitgehend stützenfrei den Raum. Es schafft eine gleich­mäßige Licht­situation und verbirgt den präzise ausgetüftelten Schall­schutz, der in den extrahohen Räumen besonders wichtig ist. Holz­ober­flächen aus Weißtanne machen dieses industriell angehauchte Ambiente dennoch zu einem wohnlichen Haus. Kontrast bietet die dunkle Fassade aus gekantetem, eloxiertem Aluminium­blech, die sich durch ein Fenster­band klar vom Bestands­gebäude abhebt. Als ruhiger Baukörper bringt die Aufstockung ein wenig Eleganz in das heterogen bebaute Gewerbegebiet.

Nicola Weber

[ Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchs­anstalt Bau Informatik Design, Innsbruck ] Architektur: ao-architekten ZT GmbH. Bauherrschaft: BIG Bundes­immobilien­gesellschaft m. b. H., im Auftrag des Bildungs­ministeriums. Tragwerks­planung: Alfred R. Brunnsteiner ZT GmbH. Art der Vergabe: Offener, einstufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2016–2021. Nutzfläche: 1 600 m² (Erweiterung). Adresse: Trenkwalderstraße 2, 6020 Innsbruck, Tirol.