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Schulzentrum, Gloggnitz

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Schulzentrum Gloggnitz

Ein pädagogischer Ansatz, der auf Kommunikation über die Grenzen von Schul­typen hinweg abzielt und das auch archi­tektonisch ausdrücken möchte, verbindet sich hier mit einem konstruktiven Ansatz, der heutige technische Möglich­keiten ausreizt. So viel Ambition hat ihren Preis.

Die alte Industriestadt Gloggnitz, 80 Kilometer südwestlich von Wien gelegen, erlebte in den letzten 50 Jahren zwei wider­sprüchliche Entwicklungen: einer­seits die Verwandlung in ein wirtschaftlich pulsierendes Regional­zentrum, andererseits einen Bevölkerungs­rückgang zwischen 1971 und 2021 von 7 100 auf 5 800 Einwohner:innen. Um diesem Trend entgegen­zuwirken, entschloss sich die Gemeinde, ihre vier bisher an unter­schiedlichen Standorten untergebrachten Schulen (Volks­schule, Mittel­schule, Poly­technische Schule und Sonder­pädagogisches Zentrum) in einem gemeinsamen Neubau zu konzentrieren. 2015 lobte sie dafür einen aus, auf dessen ambitionierte Ausschreibung hin sich 41 Büros bewarben, von denen acht zur Teilnahme eingeladen wurden. Ihnen blieb die Entscheidung überlassen, Teile des Altbestands zu erhalten oder einen Neubau zu konzipieren, wobei letzterer die Rodung alten Baum­bestands voraussetzte. 

Das siegreiche Projekt setzte kompromisslos auf Neubau. Die Jury sprach von einer „Schule im Aufbruch“, und tatsächlich wirkt das Gebäude wie eine große holzverkleidete Box, die vom Boden abhebt. Vermittelt wird dieser Eindruck durch ein zurück­springendes, durchgängig verglastes Erdgeschoß. Am weitesten kragt die Box an der Seite des Haupt­eingangs vor, wodurch ein großer regen­geschützter Vorbereich entsteht. Im Erdgeschoß befinden sich Garderoben und . In der Eingangs­halle versenkt liegen die Sporthalle und ein kleinerer Gymnastik­saal. Ein Raum­fach­werk aus Stahl überspannt in diesem Bereich stützenfrei das Erdgeschoß. Die Klassen­räume aller vier Schulen und die ihnen zugeordneten offenen Lernzonen liegen im ersten Obergeschoß, die Direktionen und Rückzugs­­bereiche für die Pädagog:innnen im zweiten. 

Schnitt
Grundriss 1. Obergeschoß

Typologisch ist die Schule eine Innovation. Sie greift im Eingangs- und Sportgeschoß das Konzept der auf, kombiniert es aber in den Ober­geschoßen mit einem Hoftyp: Hier gibt es keine Halle mehr, sondern einen Innenhof, in dem kistenförmige Aufbauten für die Belichtung der darunter­liegenden Halle sorgen. Zu diesem Hof hin orientieren sich die offenen Lernzonen. Das ermöglicht eine hofseitige Ring­erschließung des Klassen­geschoßes und damit eine Kommunikation aller Schulen miteinander, wie sie im päda­gogischen Konzept für das Schul­zentrum gewünscht war.

Auch bautechnisch reizt das Gebäude die heutigen Möglich­keiten aus. Die Werk­stoffe Holz, Stahl­beton und Stahl werden den jeweiligen baulichen Anforderungen folgend eingesetzt und bewusst sichtbar gehalten. Eine wichtige Rolle spielt dabei kreuzweise verleimtes Brett­schichtholz, das für nicht aussteifende Wände und Decken zum Einsatz kam. Der Werkstoff Holz ist auch für die Raumwirkung im Klassen­geschoß und als Fassaden­material bestimmend. Statisch ist die Konstruktion für die Aufstockung um ein weiteres Geschoß vorbereitet. 

Dass ein derart ambitioniertes Projekt seinen Preis hat, ist naheliegend und hat zu Diskussionen in der Gemeinde geführt. Haben sich die Archi­tekt:innen auf Kosten der Allgemeinheit ein Denkmal gesetzt? Die Direktor:innen widersprechen: In diesem Haus lässt sich „Schule im Aufbruch“ leben. Das hier eingesetzte Geld ist gut und vor allem mit Blick auf die Zukunft investiert.

Christian Kühn

[ Volksschule, Sonderschule, Mittelschule und Polytechnische Schule, Gloggnitz ] Architektur: DFA | Dietmar Feichtinger Architects. Bauherrschaft: Stadt Gloggnitz. Tragwerksplanung: Werkraum Ingenieure ZT GmbH. Art der Vergabe: Nicht offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb im Oberschwellenbereich. Planungs- und Bauzeit: 2015–2019 Nutzfläche: 8 594 m². Adresse: Richtergasse 6, 2640 Gloggnitz, Niederösterreich.