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Bildungscampus Berresgasse, Wien

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Bildungscampus Berresgasse Wien

Der Campus mit Kindergarten, Volks- und Mittel­schule löst sein enormes Volumen so kleinteilig auf, dass sich hier fast 900 Kinder daheim fühlen. Die Bildungs­bereiche von Kinder­garten und Volks­schule sind auf zwei Ebenen um eine sieben Meter hohe gemeinsame Mitte organisiert.

Die Umgebung ist dispers. Im Südwesten zehn­geschoßige Wohn­gebäude aus den 1970er-Jahren, davor dreigeschoßige Reihen­häuser aus den 1980er-Jahren, im Osten ein Klein­garten­siedlungs­streifen und im Westen eine der jüngsten Wiener Stadt­erweiterungen mit etwa 3 000 Wohnungen, die unmittelbarer Anlass für den neuen war. Hier erreicht die Höhe der Wohn­häuser bis zu 35 Meter. Der Campus hat eine städtebauliche Dimension, aus der die Archi­tekt:innen wesentliche Aspekte ihres Entwurfs ableiten: Verzahnung der Freiräume mit dem Umfeld, ein inklusiver Zugang und die Möglichkeit für alle, ihre Bedürfnisse nach Sozialisierung leben zu können, ohne einander zu stören. 

In dieses dichte Quartier fügt sich der markante, aus mehreren verdrehten Quadern gebildete Baukörper des Bildungs­campus. Die enorme Kubatur bietet zahlreiche kleinteilige Situationen, die Zugehörigkeit schaffen und Identität stiften. Das zeigt sich etwa an der Lärchen­fassade mit zwei Typen von „springenden“ Fenstern: Die einen reichen fast bis zum Boden, wodurch man auch im Liegen hinausschauen kann, und haben tiefe Fensterbänke, die auch als Arbeits­plätze dienen; die anderen sitzen so weit oben, dass unter ihnen noch Platz für Stauraum bleibt.

Grundriss 3. Obergeschoß
Grundriss 1. Obergeschoß
Schnitt

Vier Geschoße hoch, erstreckt sich der Campus der Länge nach auf fast 230 Meter; bereits die Mehr­fach­sport­halle, die an der Kreuzung im Südwesten seinen Auftakt bildet, ist etwa 50 Meter lang. Der Gebäude­sockel nimmt Haupt­eingang, Saal, Bibliothek, Mensa, Sonder­funktionen, Verwaltung und Kinder­krippe auf. Im Grundriss bildet er ein großes L, auf dem die polygonal geformten Obergeschoße aufsitzen. Aus der Überlagerung dieser beiden Geometrien entstehen vielfältige Freiräume und ein Wechsel­spiel von Vor- und Rücksprüngen, das dem Gebäude seinen besonderen Charakter gibt. Der Baukörper ist nach oben zurückgestuft. Das erzeugt auf jeder Ebene unter­schiedliche Terrassen von insgesamt rund 1 800 Quadratmetern Fläche mit Hochbeeten und Schatten­plätzen. Außen­treppen sind nicht nur Fluchtwege, sondern zusätzliche Bewegungs­räume. Zwischen Stahl­beton­stützen baumeln Schaukeln von der Decke; es gibt einen Bereich für die Großen mit Boccia, Parcours, Boulder­wand sowie kindgerechte Spiel­landschaften für die Kleinen. 

Im Gebäudeinneren führt vom Foyer aus eine einladende Treppe mit in die oberen Geschoße. Am Modell der Schule erkennt man die vier verdrehten Baukörper der Bildungs­bereiche (), aus denen sich je zwei gebündelte Raumpaare windradartig ausdrehen. Die BIBER von Kindergarten und Volksschule sind auf zwei Geschoßen organisiert und um eine sieben Meter hohe, polygonal geformte, gemeinsamen Mitte beziehungsweise angeordnet, wobei die Kinder­garten­gruppen unten, jene der Volkschule oben mit einer exklusiven, zur Mitte orientierten Galerie, untergebracht sind. Der ermöglicht Blick- und Rufkontakte und schafft damit selbst­verständlichen Austausch, im Unterricht bleiben die Klassen unter sich. Die Päda­gog:innen schätzen die Zweigeschoßigkeit, obwohl manchmal durch das Netz der Absturz­sicherung auf der Galerie Gegen­stände hinunter­fallen. In der zentralen MUFU befinden sich die Anrichte­küche und Platz für das gemeinsame Essen. Räume sind mit Vorhängen abtrennbar, Akustik­paneele und Textil­elemente tragen zu einer entspannten Atmosphäre bei, die sich auch auf die Kinder überträgt. Es ist angenehm ruhig, selbst unter den Treppen gibt es Nischen. Diese sind wichtig für den Rückzug, aber so angeordnet, dass die Aufsichts­pflicht erfüllt werden kann. 

BIBER, 2. Obergeschoß

Die Mittelschule im obersten Geschoß ist anders organisiert: Die vier BIBER liegen auf einer Ebene und werden durch eine Lernstraße über die volle Länge des Gebäudes miteinander verbunden. Ausblicke und natürliches Licht aus mehreren Himmels­richtungen erleichtern die Orientierung. 

Knapp 900 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren müssen von 8 bis 15.30 Uhr und können von 6.30 bis 17.30 Uhr hier sein. In Kindergarten, Volks- und Mittelschule werden sie von derzeit rund 100 Lehrer:innen sowie 90 Kindergarten- und Freizeit­pädg­agog:innen betreut. Die Volks­schule bietet ein . In Freizeit- und offenen Lernphasen mischen sich die unter­schiedlichen Jahrgänge und es gibt viele gemeinsame Aktivitäten, BIBER- und Atelier­feste, die das soziale Lernen unterstützen.

Isabella Marboe

[ Kindergarten, Volksschule und Mittelschule Berresgasse, Wien ] Architektur: PSLA Architekten ZT GmbH. Ausführungs­planung: Porr Design & Engineering und Porreal GmbH. Bauherrin: Stadt Wien. Tragwerks­planung: FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH. Landschafts­architektur: EGKK Landschafts­architektur. Art der Vergabe: Offener, zweistufiger Realisierungs­wettbewerb im Ober­schwellen­bereich. Planungs- und Bauzeit: 2015–2019. Nutzfläche: 16 780 m². Adresse: Scheedgasse 2, 1220 Wien.