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2022 42 Volksschule Bruckneudorf ← zurück

Volksschule, Bruckneudorf

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Volksschule Bruckneudorf

Die neue Volksschule von Bruckneudorf besetzt einen Teil der denkmal­geschützten ehemaligen Erbsen­schäl­fabrik. Sie ist der erste Baustein einer geplanten städte­baulichen Entwicklung, denn das Areal soll zu einem neuen Orts­zentrum ausgebaut werden.

Die heutige Gemeinde Bruckneudorf verdankt ihre Entstehung einem Militär­truppen­lager, das Mitte des 19. Jahr­hunderts, strategisch günstig gelegen, an der damaligen Grenze zwischen der öster­reichischen und der ungarischen Reichs­hälfte errichtet wurde. Zur Versorgung der Truppen entstand eine weitläufige Konserven­fabrik in historistischer Formens­prache. Nach Leerstand, Abriss und Umnutzung einzelner Bauteile zogen mit Beginn des Schul­jahres 2022/23 die Volksschule und eine Musik­schule in Teile der ehemaligen Erbsen­schäl­fabrik – umgangs­sprachlich „Erbse“ genannt. 

Bei der Transformation galt es, die denkmal­pflegerischen Gesichts­punkte mit den aktuellen Anforderungen an einen modernen Schulbau zu vereinen. Im Äußeren blieb das Gebäude weitgehend unverändert, lediglich für die Garderobe und den Eingangs­bereich wurden transparente Pavillons angebaut. Und auch im Inneren ist viel von der historischen Bausubstanz spürbar – etwa die ursprünglichen Holzdecken, teils unverputzte Ziegel­wände, neue Holzfenster in alter Form sowie die vorhandene Tragstruktur mit Holz- und Guss­eisen­säulen. 

Grundriss 1. Obergeschoß

Aus dieser Raum­konfiguration entstanden im ersten Stock acht sowie im Erdgeschoß vier Klassen­räume, die aktuell für die Nachmittags­betreuung genutzt werden. Diese sind jeweils an den Außen­mauern angeordnet. Ihnen vorgelagert befinden sich zum Hof orientierte, breite , die für vielfältige pädagogische Aktivitäten und als großzügiger Bewegungs­raum genutzt werden. Dach­flächen­fenster sowie hoch liegende Glasbänder in den Trenn­wänden bringen zusätzliches Licht. „Die Schule versprüht ein ganz besonderes Flair aus historischem Charme sowie moderner Infra­struktur und ist einzigartig“, bringt es die Direktorin auf den Punkt. 

Der autofreie Vorbereich der Schule wird auch als Pausenhof genutzt und soll sich zukünftig zu einem neuen Haupt­platz entwickeln. Dazu sind sowohl Neubauten als auch die Trans­formation der zwei hoch aufragenden Silos für Wohnzwecke geplant. Für die wachsende Gemeinde Bruckneudorf bildet die Schule damit den Nukleus einer umfassenden Neustrukturierung.

Barbara Feller

[ Volksschule Bruckneudorf ] Architektur: Pesendorfer | Machalek | Dolmanits Architekten ZT. Bauherrschaft: OSG | Oberwarter Siedlungs­genossen­schaft, im Auftrag der Gemeinde Bruckneudorf. Tragwerks­planung: DI Thomas Gottschlich. Landschafts­architektur: dieLandschaftsplaner.at. Art der Vergabe: Direkt­vergabe. Planungs- und Bauzeit: 2018–2022. Nutzfläche: 3 560 m². Adresse: Hauptplatz 1, 2460 Bruckneudorf, Burgenland.